Facebook Patent zum Lauschangriff

Facebook will sich eine Methode schützen lassen, mit der Handymikros mit für Menschen unhörbaren Signalen aktiviert werden können. Die Technik, beteuert das soziale Netzwerk, soll aber niemals eingesetzt werden.

Von Marvin Strathmann, Hamburg

Hört Facebook die Gespräche seiner Nutzer über das Mikrofon des Smartphones ab, um ihnen personalisierte Werbung anzuzeigen? Das Gerücht hält sich hartnäckig, stichhaltige Beweise fehlen aber. Mehrmals hat das Unternehmen den Vorwurf dementiert. Nun aber ist ein Patentantrag von Facebook aufgetaucht, das die Gerüchte erneut anheizt: In dem US-Patentantrag mit der Nummer 20180167677 beschreibt der Konzern, wie er mithilfe eines Audiosignals das Mikrofon des Smartphones oder eines anderen Geräts aktivieren kann, um Umgebungsgeräusche aufzunehmen. Anschließend sollen verschiedene Daten über die Geräusche an Facebook gesendet und analysiert werden. Die Aufnahme wird durch ein Signal ausgelöst, das für den Menschen nicht hörbar ist. Es könnte zum Beispiel in TV-Spots eingebettet werden. Das Unternehmen schreibt in dem Antrag, es könne so erkennen, ob ein Nutzer die Werbung vorspult, blockiert oder bis zum Ende ansieht. So will Facebook erfahren, wie effektiv ein Spot bei diesem Nutzer wirkt. Anhand des Nutzerprofils könnten zudem Werbespots oder andere Inhalte angepasst werden: Erkennt Facebook, wo der Nutzer wohnt, können Adressen und andere Informationen, die im Spot vorkommen, an diesen Standort angepasst werden.

Bisher gibt es keine Hinweise, dass Facebook die beschriebene Technik tatsächlich einsetzt. Das Unternehmen selbst sagte dem Webportal Mashable, dass es die patentierten Methoden in keinem Produkt verwendet und auch niemals verwenden werde. "Es ist üblich, Patente einzureichen, um Vorstößen anderer Unternehmen vorzubeugen", sagte Allen Lo aus Facebooks Rechtsabteilung zu Mashable. Tatsächlich reichen IT-Unternehmen sehr viele Patente ein, die nie umgesetzt werden. So besitzt etwa Amazon eines, in dem das Unternehmen beschreibt, wie Pakete in Kisten unter Wasser gelagert werden sollen. Google ließ sich mehrere Handgesten schützen, damit ein tragbarer Computer sie auswerten kann: Forme ein Nutzer beispielsweise mit beiden Händen ein Herz, könne er Zustimmung ausdrücken.

Facebook lässt sich besonders viele Technologien schützen, mit denen sich Nutzer penibel analysieren lassen. Die New York Times hat sich hunderte Patente des Unternehmens angeschaut und kommt zu dem Schluss, Facebook überlege, "nahezu jeden Lebensaspekt der Nutzer auszuwerten". Wo befindet er sich, wie ist sein Beziehungsstatus, mit wem verbringt er seine Zeit, über welche Marken und Politiker redet er? Darauf, dass Facebook seine Nutzer abhört, deutet momentan aber nichts hin. Nutzern bleibt aber auch kaum etwas anderes übrig, als dem Unternehmen zu glauben.