bedeckt München

Internet:Nutzer verbringen weniger Zeit bei Facebook

Die Nutzungsdauer von Facebook ist zuletzt deutlich gesunken

Im vierten Quartal kletterten die Erlöse um 47 Prozent auf knapp 12,97 Milliarden Dollar.

(Foto: Getty Images)
  • Die Nutzer von Facebook verbrachten zuletzt deutlich weniger Zeit in dem sozialen Netzwerk. Die Nutzungsdauer sank um insgesamt 50 Millionen Stunden pro Tag.
  • Facebook-Chef Mark Zuckerberg sieht darin kein Problem. Anleger sind allerdings besorgt über die Entwicklung.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat Sorgen geschürt, das Wachstum des weltgrößten Internetnetzwerkes könnte sich abschwächen. Die jüngsten Veränderungen hätten sich auf die Verweildauer von Nutzern ausgewirkt, sagte Zuckerberg am Mittwochabend bei der Vorstellung der Quartalsbilanz. Das Netzwerk hatte kürzlich seinen Algorithmus angepasst und zeigt unter anderem weniger viral verbreitete Videos. Im Vergleich zum Vorquartal sank die Nutzungsdauer um rund 50 Millionen Stunden pro Tag. Zuckerberg gab sich unbeeindruckt von der negativen Entwicklung bei der Nutzungsdauer. Dies sei in Ordnung, sagte er.

Die Zeit, die Nutzer auf einer Plattform wie Facebook, Snapchat oder Twitter verbringen, ist allerdings entscheidend für Werbekunden, die mit ihren Anzeigen das größtmögliche Publikum ansprechen wollen. Bisher wächst Facebook genau in diesem Bereich nahezu ungebremst. Auch im vierten Quartal stiegen die Erlöse um 47 Prozent auf knapp 12,97 Milliarden Dollar. Dabei kamen 98 Prozent der Einnahmen aus dem Verkauf von Anzeigen, größtenteils für Werbung auf mobilen Geräten.

Irritation an der Börse

Der Umsatzsprung interessierte die Anleger zunächst wenig. Zu sehr besorgte sie der Rückgang bei der Verweildauer und der vergleichsweise schwache Anstieg bei den Nutzerzahlen auf nun 1,4 Milliarden. Die Facebook-Aktie rutschte nachbörslich zunächst vier Prozent ins Minus, drehte dann aber doch noch leicht ins Plus.

Facebook steht in letzter Zeit zunehmend in der Kritik. Unter anderem geht es um russische Einmischung in den US-Wahlkampf 2016. Beiträge von teilweise gefälschten Nutzerprofilen erreichten damals rund 126 Millionen Nutzer. Dies brachte den Konzern ins Visier des US-Kongresses und führte zu zahlreichen Veränderungen bei dem Netzwerk.

Der Konzern will nun gegen Desinformation bei Wahlkampagnen, aber auch im Alltag kämpfen. "In 2018 wollen wir sicherstellen, dass die Nutzung von Facebook nicht nur Spaß macht, sondern auch gut für das Wohlbefinden der Leute und für die Gesellschaft ist", sagte Zuckerberg. Sein Unternehmen hatte zuvor bereits angekündigt, die Zahl der Mitarbeiter, die sich mit dem Thema Sicherheit beschäftigen, auf 20 000 zu verdoppeln. Daneben nahm das Unternehmen Veränderungen bei seinem Algorithmus vor, um Beiträge von Freunden gegenüber Meldungen von Firmen und anderen Medien zu bevorzugen.

Die Investitionen des Netzwerks, zu dem auch Whatsapp und Instagram gehören, lagen im Schlussquartal bei 2,26 Milliarden Dollar. Der Gewinn des 2004 gegründeten Konzerns mit nunmehr 2,13 Milliarden monatlich aktiven Nutzern stieg um ein Fünftel auf fast 4,27 Milliarden Dollar. Eine einmalige Belastung ergibt sich für Facebook aus der US-Steuerreform. Nach eigenen Angaben legte der Konzern 2,27 Milliarden Dollar für zusätzliche Belastungen bei der Einkommenssteuer beiseite.

© SZ.de/rtr/hgn/jps

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite