Facebook heißt jetzt Meta:Auf der Suche nach Coolness

Lesezeit: 4 min

Konferenz ´Facebook Connect 2021"

Neuer Name, neues Glück? Der Facebook-Konzern soll künftig Meta heißen, gab Gründer Mark Zuckerberg bekannt.

(Foto: Eric Risberg/dpa)

Mark Zuckerberg benennt seinen Konzern um - von "Facebook" zu "Meta". Das soll demonstrieren, dass das Unternehmen zu neuen Ufern strebt. Ob das klappt, ist offen.

Von Simon Hurtz und Jürgen Schmieder

Mark Zuckerberg ist erwachsen geworden. Zu Beginn seiner Präsentation - virtuell natürlich, es geht ja um den Sprung aus der echten in die digitale Welt - sitzt er in einem biederen grauen Sessel. Er trägt schwarze Jeans und schwarzen Pulli; der Raum sieht aus wie das Wohnzimmer eines Hipsters in den Mittdreißigern: Deko-Bücherregal, Retro-Fahrrad und -Surfboard, fancy Pflanzen. Er spricht wie einer, der schon noch hip und cool ist, ein Visionär; aber eben auch wie einer, der die Sorgen und Nöte und Wünsche der Menschen ernst nimmt und Lösungen anbieten will, mehrere Male verwendet er den Begriff "humility". Demut, Bescheidenheit.

Die Lösung, laut Zuck: Metaverse, in dem virtuelle und reale Welt verschmelzen. Er will Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) kombinieren, damit sich Menschen als Avatare im digitalen Raum begegnen, gemeinsam arbeiten und miteinander interagieren können. "Ich weiß, dass die Leute nun sagen werden: Das ist nicht die Zeit, sich auf die Zukunft zu konzentrieren", sagt Zuckerberg gleich zu Beginn angesichts der zahlreichen Probleme seines Konzerns in der Gegenwart und in der wirklichen Welt, und ein bisschen wirkt diese Präsentation tatsächlich wie eine Flucht vor sich selbst.

Vielleicht auch deshalb verkündet er am Ende, und er wählt dafür tatsächlich die Worte "One more thing" von Apple-Gründer Steve Jobs, dass er seinen Konzern umbenannt habe, von Facebook in Meta - das neue Logo sieht aus wie eine Mischung aus Brille und dem Symbol für Unendlichkeit.

Im Bademantel zum Gespräch mit Investoren

Erwachsen geworden. Das ist wahrscheinlich die schlimmstmögliche Einschätzung für einen Typen, der gerade in der Anfangszeit von Facebook sehr stolz darauf war, nicht genau zu wissen, was diese Plattform eigentlich sein soll - außer: cool. Der im Bademantel zum Gespräch mit Investoren latschte und später in Kapuzenpulli und Badelatschen auftrat. Naivität, Neugier und Größenwahn sind wunderbar, wenn man gerade im Studentenwohnheim von Harvard eine Idee hatte - aber überhaupt nicht mehr cool, wenn man einen Konzern verantwortet, der im vergangenen Quartal 29 Milliarden Dollar einnahm und aufgrund zahlreicher Skandale als Marke in etwa so beliebt ist wie Fußpilz.

Zuckerberg, 37, befindet sich auf Image-Werbetour, für seinen Konzern und damit natürlich für sich selbst; für einen Visionär tut er das mit der erstaunlich vorhersehbaren Strategie: auf die Zukunft setzen. Aber gut, wie soll es denn aussehen, dieses Metaverse? Und was wird Meta für ein Konzern sein?

Die ersten Einblicke geben Computerspiele wie "Fortnite": Teenager hängen gemeinsam ab, Popstars geben virtuelle Konzerte vor Millionen von Fans. Oder das faszinierende VR-Erlebnis mit der Oculus-Brille, bei dem man zur "Star Wars"-Figur wird, zum Boxer oder zum Zuschauer am Spielfeldrand von Sportereignissen. Facebook, sorry: Meta, hat Oculus bereits 2014 gekauft und lässt nun massenweise Brillen bauen. Allein in diesem Jahr investiert Meta rund zehn Milliarden Dollar in die Sparte Facebook Reality Labs, die an der virtuellen Zukunft bastelt.

Das Ende des Bildschirms

Zuckerberg, mittlerweile vom Hipster-Wohnzimmer in einen virtuellen Raum gewechselt, stellt diese Evolution der Technikbranche als Ende des Bildschirms vor: eine virtuelle Welt, in die Nutzer komplett eintauchen und die grenzenlos zu sein scheint. Schach mit Freunden auf einem anderen Kontinent; ein Spaziergang durch einen Wald mit fliegenden Fischen; Konzertbesuch in Los Angeles, obwohl man im japanischen Kyoto sitzt. Naive Zwischenfrage: Ist ein Konzert noch cool, wenn alle daheim hocken und man nicht den Schweiß der anderen spürt? Zu früh dafür? Okay. Aber man kann Band-Merchandising für den eigenen Avatar kaufen. Natürlich.

Metaverse bedeutet für den Konzern freilich den Einstieg in zwei Tech-Sparten, in denen der Konzern bislang nicht besonders erfolgreich gewesen ist: ein eigenes mobiles Betriebssystem und Hardware. Es braucht beim Ende der Bildschirme neue Geräte, die den Einstieg in die virtuellen Welten ermöglichen: VR-Headsets, Brillen für Augmented Reality, Sensoren für Gesichtsausdrücke und Armbänder für Gesten. Die will Facebook liefern, verzichtet jedoch auf konkrete Produkte - die Vision ist wichtiger derzeit.

Das klingt derzeit ein bisschen wie Facebook vor zwölf Jahren. Weil sich aber viele an die Entwicklung von Facebook erinnern, befürchten sie, dass aus der Utopie eine Dystopie wird; ein Hype, der wenige reich machen wird, der Menschheit letztlich aber mehr schaden als nutzen könnte. Facebook hat schließlich wie kaum ein anderer Konzern dazu beigetragen, das einst offene Netz in eine Ansammlung geschlossener Plattformen und Ökosysteme zu verwandeln.

Verstörende Einblicke

Was Zuckerberg präsentierte, wirkte wie der Start einer Folge der Science-Fiction-Serie "Black Mirror" - die stets faszinierend beginnen und dann häufig ins Katastrophale abdriften. Er sprach davon, die Menschen zusammenführen zu wollen. Nur, und Zuckerberg gibt das auch zu: Genau das hatte er auch über Facebook gesagt, und sehen wir nicht gerade die negativen Konsequenzen? Seit gut anderthalb Monaten veröffentlichen Medien Details aus den sogenannten Facebook Files. Die internen Studien, Präsentationen und Chat-Protokolle geben einen verstörenden Einblick ins Innenleben des Konzerns.

Zuckerberg gibt sich visionär, optimistisch und selbstbewusst, aber eben auch neugierig und ein bisschen naiv. "Wir wissen nicht, wie es genau werden wird" ist eine Aussage von Zuckerberg von früher, und das lässt einen neugierig, aber auch vorsichtig werden, was aus dem Metaverse werden wird. Das Ziel letztlich, und auch das dürfte so wohl jeder Firmenchef angeben: junge Leute begeistern, also cool sein, statt bestehende Plattformen für Ältere zu optimieren.

Die Präsentation, so coole Dinge auch gezeigt wurden, ist erst einmal bedeutender für den Konzern mit dem neuen Namen als für die Menschheit. Zuckerberg stellte sich dar als Erwachsener, der immer noch cool sein und Leute unter 30 begeistern kann. Die allerdings dürften ihm sagen, dass diese beiden Dinge einander ausschließen, und Zuckerberg wird auch beim Metaverse eine Entscheidung treffen müssen: cool sein für die Kids oder cool sein für die Investoren. Die Entscheidung bei Facebook ist bekannt.

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