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Soziale Netzwerke:Mal eben zu Facebook gehen

Facebook Pop Up Store Koeln

Im Pop-up-Store in Köln will der Konzern Fragen seiner Nutzer beantworten, auch kritische.

(Foto: OH)
  • Für zwei Tage hat Facebook einen Pop-up-Store in Köln gemietet.
  • Der Konzern verkauft hier nichts, sondern erläutert bloß sein umstrittenes Geschäftsmodell.

Facebook ist so ein Zeitgenosse, der keine Ruhe gibt. Kaum liegt man auf dem Sofa und ignoriert das Smartphone genüsslich, lässt die App das Telefon vibrieren. "Du hast einen neuen Freundschaftsvorschlag", regt sie etwa ungefragt an, man könne die Freundin einer Freundin doch als Freundin hinzufügen. Möglicherweise öffnet der Nutzer dann doch die App, wischt seine Neuigkeiten durch, sieht Anzeigen - und generiert damit Einnahmen.

Damit nicht genug, hat Facebook jetzt auch noch den ersten Laden in einer hiesigen Fußgängerzone eröffnet. Für zwei Tage hat das Netzwerk einen Pop-up-Store in Köln gemietet, wenige Minuten vom Dom entfernt. "Komm rein!", prangt in großen Lettern im Schaufenster. Doch der Konzern verkauft hier nichts, er erläutert bloß sein umstrittenes Geschäftsmodell.

"Wir sind auch für kritische Fragen hier", sagt der Sprecher von Facebook in Deutschland. Ja, das Netzwerk habe Vertrauen verloren, etwa im Skandal um die Firma Cambridge Analytica, die Daten von Nutzern auswertete, um mit gezielten Botschaften Wahlen zu beeinflussen. Kürzlich berichteten US-Medien zudem von unzufriedenen Beschäftigten sowie Kampagnen gegen Kritiker. Umso mehr will der Konzern seinen Nutzern nun "zuhören und zeigen, dass wir ihr Feedback ernst nehmen." In London und Dublin tauchte Facebook bereits mit einem Pop-up-Store auf, jetzt ist Köln an der Reihe.

"Ich habe fünf Fragen mitgebracht"

Minuten bevor der Laden öffnet, wartet Artur Kruck vor dem Schaufenster. "Ich habe fünf Fragen mitgebracht", erzählt der Professor, der Notizen auf einem Klemmbrett dabei hat. Gut 3000 Facebook-Freunde habe Kruck mittlerweile, verbreite er doch regelmäßig Tipps für ein glückliches Leben per Videobotschaft. Ein Mitarbeiter des Netzwerks rät, Kruck könne sein Profil in eine Fan-Seite umwandeln. Er wischt in den Einstellungen herum, zeigt die Hilfeseite. Kruck notiert mit.

Die Facebook-Mitarbeiter in grauen Shirts, per Du mit den Besuchern, stehen Rede und Antwort. Sie erklären, dass das Netzwerk für jeden Beitrag einen Wert berechne, wie relevant dieser für den Nutzer sei. Immer dann, wenn man zu Facebook geht, sehe man die Posts mit den höchsten Relevanzwerten. Dabei berücksichtige der Konzern auch, wie gut die Internetverbindung ist: mehr Texte bei lahmem Netz, mehr Videos bei Höchstgeschwindigkeit.

Und was hat es nun mit den Freundschaftsvorschlägen auf sich? Die ermittele Facebook auch anhand dessen, wem man bei der Fotoplattform Instagram folge oder wem man per Messenger schreibt, so der Mann in Grau. Doch ausschalten? Nein, ausschalten könne man die Vorschläge nicht.

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