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Faber-Castell:Unübersichtlich

Faber-Castell

Ganz schön bunt hier: Faber-Castell hat einen Verkaufsstand mit Produkten aus dem Haus dekoriert.

(Foto: Daniel Karmann/dpa)

Faber-Castell hat Probleme in Südamerika - und mit sich selbst. Im Mai fängt ein neuer Chef bei dem 1761 gegründeten Unternehmen an.

Es ist eine politisch und wirtschaftlich volatile Region, in der Faber-Castell immerhin knapp die Hälfte seines Umsatzes erwirtschaftet. "Derzeit ist die Lage dort unübersichtlich", räumt Daniel Rogger mit Blick auf Lateinamerika ein. "Chile und Peru haben bis Mitte 2019 erfreulich gewirtschaftet. Jetzt müssen wir aber die Entwicklungen abwarten, das gilt auch für die Märkte in Argentinien, Kolumbien und Brasilien."

Von Rogger weiß man, dass er die Zukunft des Schreibgeräteunternehmens mit Sitz in Stein bei Nürnberg langfristig ohnehin eher in China als in Lateinamerika sieht. In der Tat zogen die Geschäfte von Faber-Castell dort 2019 um satte 18 Prozent an, in Brasilien gab es nur plus sieben Prozent. Der gebürtige Schweizer Rogger scheint strategisch also richtig zu liegen, was allerdings nichts daran ändert, dass er seinen Posten Ende Mai nach nur drei Jahren räumt. Rogger war der erste familienfremde Chef des 1761 gegründeten Unternehmens. Welche Pläne sein Nachfolger Stefan Leitz verfolgt, der bislang beim Hamburger Lebensmittelunternehmen Carl Kühne arbeitete und am 16. März bei Faber-Castell antritt, bleibt abzuwarten.

In dem Traditionsunternehmen mit seinen immerhin knapp 8000 Beschäftigten läuft ganz offenkundig nicht mehr alles reibungslos, seit Anton-Wolfgang Graf von Faber-Castell 2016 verstarb, ohne seine Nachfolge klar und vor allem verbindlich zu regeln. Die Meinungen darüber, ob und wie sehr sich das auf die operativen Geschäfte durchschlägt, gehen im Unternehmen auseinander.

Den am Montag veröffentlichten Bilanzzahlen zufolge sank der Umsatz der Faber-Castell-Gruppe im Geschäftsjahr 2018/19 um vier Prozent auf 587 Millionen Euro. Rechnet man die Einflüsse der Währungsturbulenzen nicht nur in Südamerika, sondern auch in Ländern wie der Türkei oder Indonesien jedoch heraus, ergibt sich ein leichtes Umsatzplus von 2,2 Prozent. Für das laufende Geschäftsjahr hinterlässt Daniel Rogger seinem Nachfolger die Prognose, dass die Geschäfte stagnieren werden.

In Asien, aber auch in Amerika könne das Unternehmen sich gewinnbringend von der Konkurrenz unterscheiden, glaubt Rogger. Vorausgesetzt, es setze auf die Themen Klima- und Umweltschutz.

Diesbezüglich verhält sich Faber-Castell seit langem glaubwürdig. Zu Hause in Stein produziert man seit Jahrzehnten mit Hilfe einer Wasserturbine Ökostrom. Als einziger Stiftehersteller bewirtschaftet Faber-Castell in Brasilien 10 000 Hektar eigene Kiefernwälder, aus denen das Unternehmen ressourcenschonend knapp 90 Prozent seines Holzbedarfs deckt. Der Rest kommt von als nachhaltig zertifizierten Zulieferern.

Das ist nicht unerheblich angesichts von 2,3 Milliarden Blei- und Farbstiften, die Faber-Castell jährlich produziert. Das Thema Ökologie strategisch und marketingtechnisch auszuspielen liegt in diesen Zeiten also nahe. Pragmatisch betrachtet hilft es allerdings auch dabei, von den anhaltenden Schwierigkeiten abzusehen.

Nach wie vor sind die Verhältnisse im Unternehmen kompliziert, was im Alltag die Geschäfte nicht gerade beflügelt. Da ist zum einen Mary Gräfin von Faber-Castell, die Witwe von Anton-Wolfgang von Faber-Castell, der das Unternehmen jahrzehntelang geführt hatte. Sie vertritt die Familie im Vorstand und scheint die Platzhalterin zu geben, bis ihre beiden Töchter altersmäßig und von ihren Kompetenzen Führungsaufgaben übernehmen können. Abgeschoben scheint Charles, Sohn des einstigen Patriarchen aus erster Ehe. In dieser Konstellation als familienfremder Manager die Firma zu führen ist schwer. Daniel Rogger könnte davon berichten.