Private CreditNeue Finanzkrise? EZB prüft Banken

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EZB-Präsidentin Christine Lagarde mit erhobenen Zeigefinger. Ihre Behörde schaut sich nun die europäischen Banken genauer an.
EZB-Präsidentin Christine Lagarde mit erhobenen Zeigefinger. Ihre Behörde schaut sich nun die europäischen Banken genauer an. Boris Roessler/Boris Roessler/dpa

Der Milliardenmarkt für Kredite außerhalb des Bankensystems boomt – und bereitet Aufsehern zunehmend Sorgen. Nun will die EZB wissen, wie stark die europäischen Geldhäuser darin verstrickt sind.

Von Nils Heck

Die Europäische Zentralbank will bei den wichtigsten europäischen Banken abfragen, inwieweit sie im Bereich Private Credit, also der privaten Kreditvergabe durch Nichtbanken involviert sind. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg mit Verweis auf Insider aus der Zentralbank mit Sitz in Frankfurt. Die EZB wollte die Pläne laut Bloomberg nicht kommentieren.

Unter „Private Debt“ beziehungsweise „Private Credit“ versteht man in der Finanzbranche solche Kredite, die von sogenannten Nichtbanken an Firmen vergeben werden. Nichtbanken sind beispielsweise Private-Equity-Firmen oder Fonds. Sie investieren das Geld von privaten oder großen institutionellen Investoren wie Pensionskassen in Unternehmen, die nicht an der Börse gehandelt werden und so schwieriger an Kapital kommen. Die Firmen müssen dafür meist höhere Zinsen zahlen, weshalb die Branche bei Investoren aber auch Privatinvestoren zuletzt immer beliebter wurde. Banken finanzieren die Investments teilweise oder sind anderweitig darin verstrickt. Wie genau, das will die Europäische Zentralbank nun genauer wissen.

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Dass die EZB so eine Umfrage vornimmt, hängt mit der wachsenden Sorge zusammen, dass der Bereich Private Credit ins Taumeln geraten und womöglich Banken und Privatinvestoren mit in die Tiefe reißen könnten. Der Sektor ist in den vergangenen Jahren auf mehr als 1,5 Billionen Euro angewachsen und viele Banken an der Wall Street aber auch in Europa und Deutschland mischen dort mit. Deswegen haben die Regulatoren nun Sorge, dass ein Crash auch das gesamte Finanzsystem belasten könnte.

Und die Indizien für einen Einschnitt mehren sich. In den USA beispielsweise musste bereits im Herbst 2025 der Automobilzulieferer First Brands Insolvenz anmelden, woraufhin Jamie Dimon, Vorstandschef der weltgrößten Bank J.P. Morgan, warnte: „Wo eine Kakerlake ist, da gibt es wahrscheinlich noch mehr.“ Er vermutet also weitere Firmen in den Portfolios, die womöglich ihre Kredite nicht mehr bedienen können. Diese Unsicherheit führte bei Investoren dazu, dass sie versuchten, Kapital abzuziehen. Doch mehrere Fonds setzten daraufhin die Rücknahme der Anteile aus – auch, um einen weiteren Run auf das Fondskapital zu vermeiden. Wollen nämlich alle Menschen gleichzeitig an ihr Geld, müssten die Fonds ihre Kredite mit hohen Abschlägen verkaufen, was dann zu hohen Verlusten führen könnte.

Dass auch Banken von Einschnitten im Markt betroffen sein könnten, wird seit einigen Tagen heiß diskutiert. In einem aktuellen Risikobericht der europäischen Marktaufsicht ESMA heißt es, der Markt sei „stark vernetzt“ mit dem klassischen Bankensystem. In Europa sind etwa die Société Générale und die Deutsche Bank in dem Bereich investiert. Allein das deutsche Geldhaus ist mit rund 26 Milliarden Euro im Private-Credit-Markt engagiert. Als die Deutsche Bank das offenlegte, sackte der Aktienkurs zuletzt ab.

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