GeldpolitikEZB hält Leitzins konstant

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Für EZB-Präsidentin Christine Lagarde wird ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin gesucht.
Für EZB-Präsidentin Christine Lagarde wird ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin gesucht. Boris Roessler/Boris Roessler/dpa

Die EZB belässt den wichtigsten Leitzins unverändert bei 2,0 Prozent. Die Inflation ist vorerst unter Kontrolle.

Von Markus Zydra, Frankfurt

Die Europäische Zentralbank belässt angesichts stabiler Inflationsraten ihren wichtigsten Leitzins bei 2,0 Prozent. „Wir sind in einer guten Position, aber das bedeutet nicht, dass wir statisch sind“, sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde am Donnerstag in Frankfurt. Die EZB werde bei künftigen Entscheidungen stets die aktuellen Daten berücksichtigen. Man könne keine Aussage über den künftigen Leitzinspfad treffen. „Wir sind demütig, denn die Unsicherheit ist immer noch groß“, sagte Lagarde.

Die Finanzmärkte haben diese Entscheidung erwartet, da sich die Inflation in der Euro-Zone im November bei 2,1 Prozent stabilisiert hat. Die Notenbank strebt mittelfristig eine Teuerungsrate von 2,0 Prozent an. Nach einer Serie von Zinssenkungen hatte die Notenbank bereits im Juli, September und Oktober eine Pause eingelegt. Noch im Frühjahr 2024 lag der für die Finanzmärkte wichtigste Leitzins, der sogenannte Einlagenzins mit 4,0 Prozent doppelt so hoch.

Märkte rechnen im nächsten Jahr mit Zinserhöhung

„Die EZB kann zufrieden sein: Die Inflation ist wieder gezähmt, die Leitzinsen sind wieder da, wo sie Wirtschaft und Häuslebauer nicht bremsen“, sagte Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank. „Eine Zinssenkung war auf der heutigen EZB-Sitzung nicht zu erwarten, sie ist aber überfällig“, sagte Silke Tober Geldpolitik-Expertin des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung. Die Inflationslage im Euroraum ist entspannt, während die starke Euro-Aufwertung und die hohen US-Zölle die Wirtschaft in Deutschland und im Euroraum belasten, so begründet Tober ihr Plädoyer für einen niedrigeren Leitzins.

An den Finanzmärkten wird allerdings über eine mögliche Zinserhöhung 2026 oder spätestens 2027 spekuliert. Die Inflation in Europa könnte mittelfristig aus verschiedenen Gründen ansteigen. Zum einen sorgt die Überalterung der Gesellschaften für einen Mangel an Arbeitskräften, was den Druck auf die Löhne erhöht. Ferner könnten die schrittweise Erhöhung der CO₂-Steuer, drohende Knappheiten wichtiger Güter und die enormen Investitionen in die Verteidigungsindustrie die Inflation anheizen. Preisdruck dürfte etwa von der expansiven deutschen Finanzpolitik ausgehen, die im kommenden Jahr viele Milliarden Euro für Infrastruktur und Verteidigung ausgeben will. Die deutsche EZB-Direktorin Isabel Schnabel hatte zuletzt signalisiert, dass der nächste Schritt eine Zinserhöhung sein könnte. Ganz anders sieht es in den USA aus, wo die Federal Reserve vergangene Woche ihren Leitzins zum dritten Mal in Folge gesenkt hat. Er wurde abermals um einen Viertelpunkt auf die neue Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent heruntergesetzt.

Kampf um Nachfolge Lagardes hat begonnen

Die EZB veröffentlichte am Donnerstag auch ihre Inflations- und Wachstumsprognosen für die Euro-Zone. Demnach rechnet man für 2025 mit einer durchschnittlichen Gesamtinflation von 2,1 Prozent, für das kommende Jahr erwarten die Notenbanker 1,9 Prozent Teuerung. Das ist höher als bei der letzten Schätzung vor drei Monaten. Vor allem im Dienstleistungssektor gibt es weiterhin starke Preisanstiege. Das Wirtschaftswachstum, so die Notenbankexperten, dürfte höher ausfallen als erwartet. Die EZB rechnet für 2025 mit 1,4 Prozent Wachstum, im Jahr 2026 sollen es 1,2 Prozent sein.

Es ist zwar noch lange hin, aber mit EZB-Direktorin Isabel Schnabel und Bundesbankpräsident Joachim Nagel haben sich neben anderen auch zwei deutsche Kandidaten für die Nachfolge von EZB-Präsidentin Christine Lagarde ins Spiel gebracht. Das Mandat der Französin endet im Oktober 2027. „Ich habe keinen Favoriten, aber es ist zufriedenstellend zu sehen, dass so viele Menschen meinen Job haben möchten“, sagte Lagarde auf Nachfrage. Neben Lagarde hören auch EZB-Vizepräsident Luis de Guindos, Chefvolkswirt Philip Lane und Schnabel bis Ende 2027 auf. Dass die Ökonomin Schnabel vom Amt der Direktorin ins Amt der Präsidentin wechseln darf, gilt bislang juristisch als unmöglich. „Das muss noch einmal geprüft werden“, sagte Lagarde.

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