GeldpolitikEZB hält Leitzins unverändert bei 2,0 Prozent

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Christine Lagarde, die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) (Archivfoto).
Christine Lagarde, die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) (Archivfoto). Florian Wiegand/Eibner-Pressefoto/IMAGO

Die Inflation in der Euro-Zone klettert auf 3,0 Prozent, dennoch rührt die EZB den wichtigsten Leitzins nicht an. Aber die Bauzinsen werden wohl steigen.

Von Markus Zydra, Frankfurt

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Die Europäische Zentralbank (EZB) belässt den wichtigsten Leitzins trotz deutlich gestiegener Rohstoffpreise bei 2,0 Prozent. „Es herrscht große Unsicherheit, wir haben verschiedene Optionen diskutiert, darunter auch die Option einer Leitzinserhöhung“, sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde am Donnerstag in Frankfurt.  „Wir haben uns dann aber einstimmig dafür entschieden, den Leitzins unverändert zu lassen“, sagte Lagarde, die ergänzte, dass man in sechs Wochen bei der nächsten geldpolitischen Sitzung mehr Informationen habe. Einige Marktbeobachter gehen davon aus, dass es im Juni eine Zinserhöhung geben könnte, sollte der Konflikt zwischen den USA und Iran bis dahin nicht beigelegt sein. Der Ölpreisanstieg infolge des Nahost-Krieges hat die Inflation in der Währungsunion angeheizt. Waren und Dienstleistungen verteuerten sich im April um durchschnittlich 3,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das EU-Statistikamt Eurostat am Donnerstag mitteilte. Die EZB strebt eine Inflationsrate von 2,0 Prozent an.

Diesel fast 40 Prozent teurer

Die deutsche Inflation ist im April auf 2,9 Prozent gestiegen, so das Statistische Bundesamt in einer ersten Schätzung am Mittwoch. Das ist der stärkste Anstieg seit Anfang 2024. Bereits im März war die Teuerungsrate auf 2,7 Prozent nach oben geschnellt, nachdem sie im Februar noch bei 1,9 Prozent gelegen ⁠hatte. Wegen des hohen Ölpreises verteuerte sich Diesel etwa in Nordrhein-Westfalen um 36,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, Benzin um 18,8 Prozent. Für Heizöl mussten 27,3 Prozent mehr bezahlt werden. „Solange die Lieferkette aus dem Persischen Golf unterbrochen ist, steigt der Inflationsdruck langsam, aber stetig“, sagte Deka-Bank-Chefvolkswirt Ulrich Kater. Ob die Preissteigerungen in der zweiten Jahreshälfte anhielten oder sich wieder umkehren würden, hänge einzig und ‌allein von der Öffnung der Straße von Hormus ab.

Immobilienfinanzierung wird teurer

„Noch kann die EZB abwarten, aber mit jeder Woche, in der die Rohölversorgung der Weltwirtschaft durch die Blockade im Persischen Golf eingeschränkt bleibt, steigt für die Geldpolitik die Notwendigkeit, die Leitzinsen zu erhöhen“, sagte Kater. „Das schlägt auch auf die Kreditzinsen durch: keine guten Nachrichten für diejenigen, die jetzt eine Baufinanzierung benötigen.“ Selbst ohne unmittelbare Zinserhöhung durch die EZB werden die Bauzinsen wohl anziehen, denn die Kreditkosten orientieren sich an den Renditen der Staatsanleihen, die zuletzt gestiegen sind. Die zehnjährigen Hypothekenzinsen bewegen sich um die Marke von vier Prozent. Gleichzeitig steigen die Preise auf dem Immobilienmarkt wieder leicht. Studien deuten darauf hin, dass Wohnimmobilienpreise in Deutschland bis 2027 erneut Höchststände erreichen könnten. Die Zahl der Angebote bleibt begrenzt, während die Nachfrage langsam zurückkehrt.

Notenbanken in einem Dilemma

Wie die amerikanische Notenbank Federal Reserve, die am Mittwoch den Leitzins ebenfalls unangetastet ließ, steckt auch die EZB in einem Dilemma, da sie mit ⁠einer strafferen Geldpolitik zwar den Preisauftrieb dämpfen, aber im schlimmsten Fall auch die bereits angeschlagene Konjunktur stoppen könnte. Europas Notenbank möchte jedoch auch verhindern, dass sie auf einen möglichen Inflationsschock erneut zu spät reagiert. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 stand die EZB in der Kritik, den damaligen Preisanstieg lange unterschätzt zu haben. Die Inflation im Euro-Raum schnellte zeitweise auf mehr als zehn Prozent nach oben.

Höhere Leitzinsen sind politisch nicht nur wegen der wachstumshemmenden Wirkung unbeliebt, dadurch würden sich auch die Kosten für die Staatsverschuldung erhöhen. Zudem dauert es typischerweise ein ganzes Jahr, bis die preisdämpfende Wirkung der Maßnahme die gesamte Wirtschaft durchdringt. Das birgt für Zentralbanken das erhebliche Risiko, völlig falschzuliegen, etwa wenn sich der Konflikt mit Iran über Nacht auflöst.

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