Inflation:Zinswende im Juli

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Inflation: Christine Lagarde hat sich Zeit gelassen. Nun kündigte die Präsidentin der Europäischen Zentralbank bei einem Aufenthalt in Slowenien eine Zinswende an.

Christine Lagarde hat sich Zeit gelassen. Nun kündigte die Präsidentin der Europäischen Zentralbank bei einem Aufenthalt in Slowenien eine Zinswende an.

(Foto: Luka Dakskobler/dpa)

Die EZB möchte ihren Leitzins angesichts der rekordhohen Inflation bald erhöhen, verspricht Notenbankchefin Christine Lagarde.

Von Markus Zydra, Frankfurt

Christine Lagarde hat lange gezögert, aber jetzt sieht es so aus, als ob die Präsidentin der Europäischen Zentralbank ihren Frieden mit der Zinswende gemacht hat. Die Französin hat für den Sommer eine Leitzinserhöhung in Aussicht gestellt, nachdem viele ihrer Kollegen im EZB-Rat selbiges bereits in den vergangenen Tagen und Wochen gefordert hatten. Lagarde plant den Schritt wohl für die Sitzung im Juli, auch wenn sie das verklausuliert ausdrückte. Zunächst, so Lagarde, müsste das Anleihekaufprogramm beendet werden, womit im Juni gerechnet wird. Dann könne "binnen weniger Wochen" auch die erste Leitzinserhöhung folgen, so Lagarde am Mittwoch in einer Rede in Ljubljana. Sprich: bei der Sitzung am 21. Juli.

Es hat lange gedauert, bis sich die EZB auf diese Kehrtwende besonnen hat. Die Inflationsraten steigen seit über einem Jahr. In den USA und Großbritannien haben die Notenbanken bereits die Zinsen erhöht. Die EZB zieht erst jetzt nach, weil sie zu lange davon ausging, dass der Preisschub vorübergehender Natur sei. Inzwischen müssen die Währungshüter einräumen, dass man sich getäuscht hat. Die Inflationsrate in der Eurozone lag im April bei 7,5 Prozent. Dies war der höchste Stand seit der Euro-Einführung und liegt weit über der Marke von zwei Prozent, die sich die Notenbank als Obergrenze gesetzt hat.

Im April lag die Inflationsrate in Deutschland bei 7,4 Prozent

Inzwischen gehen immer mehr Menschen in Europa davon aus, dass die Preise noch länger stark steigen werden. Für Notenbanker ist das ein gefährliches Signal, denn hohe Inflationserwartungen in der Wirtschaft können zu einer gefährlichen Lohn-Preis-Spirale führen. Die Inflation nährt sich dann selbst, weil Unternehmen aufgrund höherer Tariflöhne die Preise für ihre Produkte anheben.

Auch in Deutschland steigen die Preise stark, die Teuerungsrate stieg im April mit 7,4 Prozent auf dem höchsten Stand seit 1981. Für das Gesamtjahr 2022 rechnet die Bundesbank inzwischen mit fast sieben Prozent. Vor allem wegen des Anstiegs der Energiepreise seien die Inflationsraten im Euroraum auf ein nie dagewesenes Niveau gestiegen, sagte Bundesbank-Präsident Joachim Nagel am Mittwoch bei einer Veranstaltung in Berlin. Nagel geht davon aus, dass die EZB am 9. Juni über eine Ende der Nettoanleihenkäufe entscheidet. "Darauf sollte meines Erachtens eine zeitnahe erste Zinserhöhung folgen, die im Juli erfolgen könnte", sagte Nagel. Die Einstellung der Käufe ist laut EZB eine Voraussetzung für Zinserhöhungen.

Die EZB hält den Leitzins seit 2016 bei null Prozent. Bereits im Jahr 2014 hatte die Institution begonnen, den Einlagezins für Banken in den negativen Bereich zu hieven. Die Institute müssen also für ihr überschüssiges Geld bezahlen. Der Satz liegt bei minus 0,5 Prozent, was die Kreditwirtschaft in der Folge auch auf die Kunden umlegte.

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