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Digitales Bargeld:Abgehängt vom Karibikstaat

Paradise Island Brücke Paradise Island Brücke auf den Bahamas in der Karibik, 1980er. Paradise Island Bridge on the Baha

Sonne, Meer und digitales Bargeld: Die Bahamas sind vorgeprescht, haben aber auch gute Gründe dafür.

(Foto: Imago)

Menschen auf den Bahamas bezahlen bereits mit digitalem Bargeld. In Europa wird die Einführung noch bis 2026 dauern.

Von Markus Zydra, Frankfurt

Auf den Bahamas kann man es aushalten. Sonnenverliebte zieht es an die Strände, das Korallenriff lockt die Taucher, und Cineasten klappern Drehorte von James-Bond-Filmen ab. Bald könnten sich Zukunftsforscher dazu gesellen, um Eindrücke zu sammeln zur Zukunft des Geldes. Die Inselgruppe im Atlantik führte im Oktober als erstes Land der Welt eine digitale Währung ein. Diese trägt den griffigen Namen "Sand-Dollar". Auf der Homepage gibt die Zentralbank der Bahamas drei Versprechen für das neue Bargeld: inklusiv, bequem und sicher.

Das Tempo der Karibik-Insel ist bemerkenswert, denn die Europäische Zentralbank möchte den "digitalen Euro", das Pendant zum Sand-Dollar, erst im Jahr 2026 an den Start bringen. Warum wird Europa von einer Inselgruppe mit 340 000 Einwohnern abgehängt? Warum haben Kambodscha ("Bakong") und Uruguay (E-Peso) schon vor Jahren mit dem digitalen Bargeld experimentiert? Warum sind Schweden mit der "E-Krona" und China mit dem "Digital Yuan" viel weiter als die Eurozone?

"Jede Wirtschaft hat ihre eigene Motivation für die Einführung einer digitalen Währung", antwortet die EZB in einer Stellungnahme. "Wenn wir ein Projekt starten, um den digitalen Euro zu prüfen und zu entwickeln, wollen wir es richtig machen, damit die Bedürfnisse der Europäer befriedigt werden." Das Ganze sei schließlich "kein Wettrennen", so die EZB. Das mag sein, doch Kleinststaaten drücken aufs Tempo: Inzwischen hat auch die Ostkaribische Zentralbank mit "DCash" ihr digitales Bargeld in Umlauf gebracht.

Fernab brüten Europas Währungshüter unterdessen an einem Konzept, das allen 19 Euro-Staaten behagt. Viele Bürger sind skeptisch, sie fürchten, mit dem digitalen Euro würde das klassische Bargeld irgendwann abgeschafft. Diesem Verdacht widerspricht die EZB bei jeder Gelegenheit, das digitale Bargeld solle "nur" eine Ergänzung sein. Private digitale Kyptowährungen wie Bitcoin und Ether sowie Zahlungsdienstleister wie Paypal repräsentieren inzwischen für viele junge Menschen die Zahlungsmoderne. Scheine sind out, Bargeld auf dem Handy en vogue. Aber wofür soll das neue Bargeld gut sein? Es ist sicherer als das Geld auf dem Girokonto, denn für digitales Bargeld steht - wie auch für das physische Bargeld - die EZB gerade. Und eine Zentralbank kann nicht pleite gehen.

Es geht auch um globale Machtpolitik

Die Bahamas haben sich besonders beeilt, weil dort, wie in anderen Schwellenländern auch, viele Menschen kein Bankkonto haben, was den Zugang zu Bargeld erschwert. Deshalb nennt die Zentralbank der Bahamas als Hauptgrund für die schnelle Einführung des Sand-Dollars den "Zugang zu Zahlungssystemen für Bürger jeden Alters und Status". Darüber hinaus soll der Ausbau der digitalen Zahlungsvorgänge den Kampf gegen Finanzkriminalität unterstützen. Die Bahamas sind seit jeher beliebt bei Steuerhinterziehern, Geldwäschern und Superschurken im 007-Format eines Emilio Largo aus dem Bond-Streifen "Feuerball".

Inzwischen arbeiten mehr als 80 Zentralbanken an der Entwicklung einer digitalen Währung. Für die Eurozone geht es auch um globale Machtpolitik. "Wir sehen, dass die Menschen mehr und mehr online einkaufen und dass sie mit wachsender Häufigkeit digitale Zahlungsmethoden verwenden", sagt EZB-Direktoriumsmitglied Fabio Panetta. Man wolle verhindern, dass der Massenzahlungsverkehr von einer Handvoll nicht-europäischer Akteure dominiert werde, die gegen die Kontrolle europäischer Behörden relativ immun sein könnten. Die EZB steigt in den Ring mit Paypal? Man darf gespannt sein.

© SZ
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