EZB-Chefvolkswirt Stark tritt zurück:Stabilität des Euro als Leitmotiv

Der 63 Jahre alte Stark begann seine Karriere an der Universität Hohenheim, wechselte aber schon 1978 in die Politik. Zunächst arbeitete er im Wirtschaftsministerium, danach im Kanzleramt und von Oktober 1992 an im Finanzministerium. Als Finanzstaatssekretär zählte er zu den Architekten des Euro-Stabilitätspaktes und war Beauftragter von Bundeskanzler Helmut Kohl für Weltwirtschaftsgipfel. "Wir haben nur einen Schuss frei. Zu viel steht auf dem Spiel, als dass wir uns einen Fehlschuss erlauben könnten. Die Wirtschafts- und Währungsunion eignet sich nicht für eine Strategie des 'trial and error' (also des Ausprobierens) ", sagte Stark schon im Jahr 1996.

Die Aufweichung des Stabilitätspakts, auch durch Deutschland, hat Stark stets gegeißelt, allerdings hatte er da bereits die Seiten gewechselt und war Notenbanker. Dabei nahm er die Gene der Bundesbank als Vizepräsident von 1998 bis 2006 auf, danach wechselte er in die Europäische Zentralbank. Die Stabilität des Euro wurde zu seinem Leitmotiv. Ungefragt forderte er die Bundesregierung auf, eine solidere Haushaltspolitik zu betreiben. Kritiker warfen ihm eine "Stabilitäts-Manie" vor. Die französische Presse nannte ihn "den Mann, der die deutsche Philosophie vom Null-Defizit verkörpert".

Aber Stark ließ sich nicht beirren. Monatelang erklärte er geduldig, wie die staatlichen Sünder im Euroraum bestraft werden müssten und, dass an einem strikten Sparkurs kein Weg vorbeiführen würde. In seinem letzten Interview im Handelsblatt sagte er zum Thema Staatsanleihekäufe nur, jeder müsse bei derart wichtigen Entscheidungen mit seinem Gewissen im Reinen sein.

Hans-Werner Sinn, Chef des Münchener Ifo-Instituts, zeigte Verständnis für den Rücktritt von Stark. Der EZB-Rat habe in der Krise die ehernen Regeln gebrochen, die die Bundesrepublik seinerzeit beim Maastrichter Vertrag zur Bedingung für die Aufgabe der D-Mark gemacht hatte.

Dazu gehöre insbesondere das Verbot der Staatsfinanzierung durch die Notenbank, das Deutschland wegen der negativen Erfahrungen mit der Hyperinflation von 1923 verlangt hatte. Bundespräsident Wulff habe öffentlich erklärt, dass der Aufkauf der Staatspapiere ein Umgehungstatbestand ist, der dem Geist und der Absicht der Maastrichter Verträge widerspricht.

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