Europäische Zentralbank Bankenaufsicht startet verspätet

1000 neue Mitarbeiter braucht die EZB, wenn sie künftig die 130 größten Geldhäuser der Eurozone kontrollieren will. Doch aus dem geplanten Start der Bankenaufsicht im Frühjahr 2014 wird wohl nichts.

Von Andrea Rexer, Frankfurt

Die Europäische Zentralbank (EZB) rechnet nicht mehr damit, dass sie die Bankenaufsicht im Frühjahr 2014 übernehmen wird. "Es ist davon auszugehen, dass die EZB die Bankenaufsicht erst im September oder Oktober 2014 übernehmen wird", sagte Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen zur Süddeutschen Zeitung. Hintergrund sei, dass das Europäische Parlament die Abstimmung über die Bankenaufsicht auf nach der Sommerpause verschoben hat - die entscheidende Sitzung findet nun erst Anfang September statt.

Die Notenbank hatte stets gesagt, dass zwischen der Entscheidung auf europäischer Ebene und der Übernahme der Aufsichtstätigkeit ein Jahr Vorbereitungszeit liegen sollte. "Wir haben mit den Vorbereitungen zwar schon begonnen, aber einige wichtige Entscheidungen können erst getroffen werden, wenn das Führungsgremium besetzt ist", so Asmussen. Die Mitglieder des sogenannten "Supervisory Boards", könnten aber erst benannt werden, wenn die Regulierung endgültig vorliege.

Derzeit bereiten verschiedene Arbeitsgruppen, die mit Experten der EZB und den nationalen Aufsehern besetzt sind, die gemeinsame europäische Aufsicht vor. Dazu will die EZB rund 1000 neue Mitarbeiter einstellen. Sie sollen zukünftig in gemischten Teams mit den nationalen Aufsehern die 130 größten Banken der Eurozone kontrollieren. Damit deckt die neue Aufsicht rund 85 Prozent der aggregierten Bilanzsummen ab. Die kleineren Banken werden weiterhin von den nationalen Aufsehern betreut, die Zentralbank kann aber im Einzelfall auf diese Banken zugreifen, wenn sie das für notwendig hält.

Bevor die Notenbank die Aufsicht übernimmt, wird sie eine Bilanzprüfung der Banken durchführen. Im Anschluss daran soll die Europäische Bankenaufsicht EBA einen Stresstest durchführen. Während die EZB nur Banken in der Eurozone kontrolliert, ist die Londoner Behörde für alle 27 EU-Staaten zuständig. Sie ist zudem für technische Standards verantwortlich.