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EZB:Europäische Großbanken spielen auf Risiko

Europäische Zentralbank (EZB) vor der Frankfurter Bankenskyline

Skyline des Frankfurter Bankenviertels. Die EZB hat auch Risikomodelle von 14 deutschen Finanzinstituten untersucht.

(Foto: Boris Roessler/dpa)

Die EZB-Bankenaufsicht hat die Risikomodelle der Großbanken in der Euro-Zone untersucht und fand 5000 Mängel. Um welche Institute es sich handelt, bleibt unklar.

Von Markus Zydra, Frankfurt

Die Europäische Zentralbank hat die Qualität der Risikomodelle bei 65 Großbanken in der Währungsunion untersucht, darunter 14 Finanzinstitute aus Deutschland, acht aus Frankreich und sieben aus Italien. Das Ergebnis: Die Prüfer stellten bei ihren 200 Vor-Ort-Besuchen in den zuständigen Abteilungen der Banken insgesamt 5000 Mängel fest, ein Drittel dieser Mängel hätten einen "großen Effekt" auf die Risikokontrolle gehabt, meldete die EZB am Montag. Insgesamt seien Kredit- und Marktrisiken im Wert von 275 Milliarden Euro nicht angemessen berücksichtigt worden.

Damit wird eine gefährliche Unwucht deutlich: Europas Bankensektor hatte in den Bilanzen real weniger Verlustpuffer zurückgelegt als vorgeschrieben war, und zwar 0,7 Prozentpunkte. Dieser Durchschnittswert klingt zunächst undramatisch, doch jeder Basispunkt Eigenkapital ist teuer für die Banken. Zudem waren einige Institute deutlich stärker betroffen, als der Durchschnittswert nahelegt. Welche Institute das waren, teilte die EZB nicht mit. Die Eigenkapitaldefizite sind inzwischen behoben, weil die EZB die Banken fortlaufend über ihre Ergebnisse informiert hatte.

Die Untersuchung der Risikomodelle mit der Namen Targeted Review of Internal Models (TRIM) war die aufwendigste Prüfungsaktion in der noch jungen Geschichte der EZB-Bankenaufsicht, die erst 2014 ihre Arbeit aufgenommen hat. Die Pläne für das Projekt reiften 2015, die Prüfungsmethoden wurden 2016 entwickelt, in den Jahren 2017 bis 2019 liefen die Vor-Ort-Checks, danach folgte die Auswertung. Die Erstellung des Schlussberichts verzögerte sich durch die Corona-Pandemie. Die EZB musste für dieses Projekt wegen Personalmangels viele externe Berater von privaten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften anheuern. Ein Umstand, der immer wieder kritisiert wird, weil diese Firmen gleichzeitig auch die Banken beraten, und zwar bei Aufsichtsthemen. Hier besteht die Gefahr eines Interessenkonflikts.

Großbanken dürfen eigene Risikomodelle nutzen

Moderne internationale Großbanken arbeiten mit eigens entwickelten Computermodellen, mit deren Hilfe die Ausfallwahrscheinlichkeit von Krediten berechnet wird, was wiederum darüber entscheidet, wie viel Geld ein Institut als Verlustpuffer zurücklegen muss. Wenn diese Modelle nicht gut funktionieren, geraten das Kreditinstitut und damit auch das internationale Finanzsystem in Gefahr.

Mit dem Prüfungsergebnis im Rücken und strengeren Auflagen für Banken kann die EZB die Kredit- und Marktrisiken der Banken besser vergleichen. Zuvor hatten einige Geldhäuser Vorteile, weil sie ihre Risiken geringer als erlaubt ausgewiesen hatten. Internationale Großbanken dürfen eigene interne Risikomodelle nutzen, weil dadurch die besonderen Risiken, die sich bei einer Großbank im internationalen Geschäft ergeben, besser abgebildet werden können. Für die Bankenaufsicht bedeutet dieses Zugeständnis allerdings Mehrarbeit, weil die internen Modelle sehr kompliziert und auf die einzelne Bank zugeschnitten sind. Ganz anders läuft es im Rest der Bankenwelt: Kleinere Institute nutzen standardisierte Risikomodelle, die von der Aufsicht vorgegeben sind und deren Umsetzung deshalb einfacher zu überprüfen ist.

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