Exportmacht Bundesrepublik:Deutschland profitiert von Nachfrage in Schwellenländern

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Die neuen Zahlen aus Wiesbaden zeigen deutlich, was die deutsche Wirtschaft antreibt. Es ist die wachsende Nachfrage aus Schwellenländern, vor allem in Asien und Südamerika. So legten die Exporte deutscher Firmen außerhalb Europas im vergangenen Jahr mit einem Plus von 13,6 Prozent besonders stark zu. Ein Großteil der Ausfuhren ging aber auch 2011 wieder in die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union; dorthin wurden Waren im Wert von 627,3 Milliarden Euro exportiert. Das waren laut Statistik fast zehn Prozent mehr als 2010.

Die deutsche Wirtschaft profitiert dabei vor allem von einem Wandel in der Politik der Schwellenländer. So änderte Chinas Führung ihre Strategie, um das Land von seiner Exportabhängigkeit zu lösen. Hohe Investitionen in die eigene Infrastruktur sollen die Wirtschaft im Inland ankurbeln. Innerhalb von fünf Jahren will Peking die Importe fast verdoppeln und hofft auf diese Weise den Hunger der eigenen Bevölkerung nach Wohlstand zu stillen.

Auch andere stark wachsende Schwellenländer wie Russland, Brasilien oder Indien investieren derzeit Milliarden in ihre Energiewirtschaft, Verkehrsnetze und modernere Fabriken. Profiteure sind Mittelständler oder Großkonzerne vor allem aus Deutschland, die Know-how und Technik liefern können.

Mit den Rekordexporten zieht Deutschland dem Rest Europas und auch wichtigen Konkurrenten auf den Weltmärkten weiter davon. Frankreich etwa, Europas zweitgrößte Volkswirtschaft, gab für 2011 in dieser Woche sinkende Exporte bekannt. Und Japan, das mit Deutschland vor allem im Maschinen- und Fahrzeugbau konkurriert, wies wegen schwacher Exporte erstmals seit 1980 ein Handelsdefizit aus.

Der deutschen Wirtschaft kommen auch die Arbeitsmarktreformen der vergangenen Jahre zugute. Löhne und Lohnkosten sind in Deutschland zuletzt kaum gestiegen oder sogar gesunken - im Gegensatz zu fast allen anderen europäischen Volkswirtschaften. Damit sind deutsche Waren im Vergleich zur internationalen Konkurrenz billiger geworden. Trotz der Turbulenzen um den Euro: Die Deutschen profitieren nach wie vor stark von der Gemeinschaftswährung.

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