bedeckt München 25°

Konjunktur:Deutschlands Exporte brechen um mehr als 30 Prozent ein

Porsche-Fahrzeuge für den Export

Bilder aus besseren Tagen: Porsche-Fahrzeuge vor dem Transport nach China.

(Foto: dpa)

Im April waren die Exporte fast um ein Drittel niedriger als ein Jahr zuvor. Es ist der größte Rückgang eines Monats im Vergleich zum Vorjahresmonat seit Beginn der Außenhandelsstatistik im Jahr 1950.

Die Corona-Krise trifft die deutschen Unternehmen mit großer Wucht. Das macht sich ganz besonders im Außenhandel bemerkbar: Die Exporte gingen im April um 31 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts war dies der größte Rückgang eines Monats im Vergleich zum Vorjahresmonat seit Beginn der Außenhandelsstatistik im Jahr 1950. Die Importe nahmen um knapp 22 Prozent ab. Ein ähnlich deutlichen Rückgang gab es zuletzt mit fast 24 Prozent in der Finanzkrise im Juli 2009.

Exportiert wurden im April Waren im Wert von 75,7 Milliarden Euro, die Importe beliefen sich auf 72,2 Milliarden Euro. Der Überschuss in der Außenhandelsbilanz lag also bei 3,5 Milliarden Euro. Das ist der niedrigste Exportüberschuss seit Dezember 2000 - damals lag er bei 1,7 Milliarden Euro. Im April 2019 hatte der Saldo noch 17,8 Milliarden Euro betragen.

Schon im März waren die Exporte um knapp acht Prozent im Vergleich zum März 2019 abgesackt.

Handel mit Nachbarländern leidet besonders

"Vom Exportboom der vergangenen zehn Jahre ist wenig übrig geblieben", kommentierte der Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe, Alexander Krüger. Wegen der jüngsten Lockdown-Lockerungen und Grenzöffnungen dürfte eine Erholung zwar schon eingesetzt haben. "Der Weg aus dem Corona-Tal ist jedoch vor allem für den Außenhandel lang, steinig und vor allem unsicher", ergänzte der Ökonom.

Darauf deutet auch die Entwicklung der Aufträge in der exportabhängigen Industrie hin. Die Bestellungen aus dem Ausland brachen im April im Rekordtempo von 28 Prozent zum Vormonat ein, da sich wichtige Abnehmerländer wie die USA in einer Rezession befinden.

Die Ausfuhren in die Volksrepublik China sanken im April noch vergleichsweise moderat um knapp 13 Prozent auf 7,2 Milliarden Euro. Deutlicher gingen die Exporte in die von der Corona-Pandemie besonders betroffenen Staaten Frankreich (minus 48 Prozent), Italien (minus 40) und USA (minus 36) zurück.

Die gesamte deutsche Wirtschaft steht 2020 vor einer tiefen Rezession. Die EU-Kommission sagt für Deutschland einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von 6,5 Prozent voraus und damit den stärksten Einbruch in der Nachkriegszeit.

© hgn/Reuters

SZ Plus
Arbeit
:Der Weg zurück

Die Corona-Krise hat das Arbeitsleben verändert. Jetzt planen viele die Rückkehr zur alten Ordnung - doch die wird anders aussehen als zuvor.

Von Helmut Martin-Jung, Thomas Fromm, Herbert Fromme, Sibylle Haas und Meike Schreiber

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite