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Export:Neuer Rekord, aber auch Schwächen

Bruttoinlandsprodukt in der Eurozone

Container warten auf die Verschiffung.

(Foto: dpa)

Die Importe stiegen 2018 stärker, es gab wenig Geschäft außerhalb Europas.

Auf den ersten Blick sieht alles prächtig aus: Deutsche Unternehmen verkauften auch vergangenes Jahr wieder mehr Waren ins Ausland. Die Exporte, lange der Treiber des Wirtschaftsbooms in der Bundesrepublik, erreichten das fünfte Jahr in Folge ein neues Rekordniveau. Allerdings sind nun Bremsspuren deutlich erkennbar. Und 2019 droht der internationale Handelsstreit die Geschäfte ebenso zu vermiesen wie ein ungeordneter Brexit oder eine Schwäche Chinas.

Das vergangene Jahr dagegen brachte noch einmal Goldglanz. Die deutschen Ausfuhren kletterten nach vorläufigen Ergebnissen auf 1318 Milliarden Euro. Wie das Statistische Bundesamt berichtet, war diese Steigerung um drei Prozent aber geringer als die Zunahme der Einfuhren aus dem Ausland. Die erhöhten sich um fast sechs Prozent. Der Außenbeitrag, Saldo von Ex- und Importen, schrumpfte deshalb: Von 248 auf nur noch 228 Milliarden Euro. Der Rückgang bei den Exporten war ein wichtiger Grund dafür, dass die deutsche Wirtschaft im vergangenen Jahr deutlich langsamer wuchs als 2017 - nur noch um 1,5 nach 2,2 Prozent.

"Der Gegenwind wird rauer", analysiert Joachim Lang, Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). Von dem neuerlichen Exporterfolg dürfe sich niemand täuschen lassen: "Der Weltwirtschaft stehen unruhigere Zeiten bevor." Lang meint damit zum Beispiel den Handelskonflikt zwischen den USA und China, den US-Präsident Donald Trump losgetreten hat. Wenn es bis 1. März nicht zu einer Einigung kommt, treten noch deutlich höhere Strafzölle in Kraft. Trump hat außerdem Europa Strafzölle unter anderem auf Automobile angedroht. Wirtschaftsfunktionär Lang forderte die Europäische Union daher auf, Handelsabkommen mit gleichgesinnten Partnern voranzutreiben, um dem Trend zum Protektionismus entgegenzuwirken.

Sieht man sich die Exportbilanz näher an, fällt auf, dass das Geschäft außerhalb Europas bereits 2018 auffällig schwächelte. Während Deutschlands Ausfuhren in andere EU-Staaten um knapp vier Prozent zunahmen, stiegen diejenigen in Drittstaaten außerhalb Europas nur um weniger als zwei Prozent.

Zum Jahresende war der Trend nicht unbedingt stark. Zwar nahmen die Exporte im Dezember gegenüber November immerhin um 1,5 Prozent zu. Ökonomen hatten mit einem viel geringeren Zuwachs gerechnet, im November waren die Ausfuhren sogar geschrumpft. Im Vergleich zum Vorjahresmonat Dezember 2017 nahmen die Exporte im letzten Monat von 2018 allerdings deutlich ab: um fast fünf Prozent.

Wie geht es dieses Jahr weiter? Viele Fragen sind ungelöst. Ob das nun der internationale Handelsstreit ist oder die Bedingungen, zu denen Großbritannien aus der EU austritt. Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen rechnet für das laufende Jahr mit einer Zunahme der Exporte um maximal die drei Prozent aus 2018.

Wie gefährlich ist die Eintrübung beim Geschäft mit dem Ausland für die deutsche Konjunktur insgesamt? Dazu gibt es auch optimistischere Stimmen. "Sicherlich, die außenwirtschaftlichen Bedingungen sind alles andere als gut", kommentiert Gustav Horn vom gewerkschaftsnahen IMK-Institut. "Große Risiken lauern am Horizont. Es ist aber nicht die Zeit, in tiefen Pessimismus zu verfallen." Denn die geringere Dynamik im Außenhandel wirke sich weniger stark aus, weil die deutsche Konjunktur derzeit ein anderes Standbein habe: "Der Kern der deutschen Konjunktur, die Binnennachfrage, getragen von einem starken privaten Verbrauch, ist nach wie vor intakt." Und das sorge auch für Investitionen der Unternehmen.

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