Warenhäuser Karstadt steht kurz vor der Übernahme von Galeria Kaufhof

Karstadt- und Kaufhof-Einkaufshäuser in der Innenstadt von Trier.

(Foto: dpa)
  • Schon mehrmals hat Karstadt-Eigentümer René Benko versucht, die Kaufhof-Kette zu übernehmen. Jetzt steht er tatsächlich unmittelbar davor.
  • Berichte, wonach 15 oder 16 Filialen der Fusion zu Opfer fallen, sind Unternehmenskreisen zufolge jedoch falsch.
  • Die Vergangenheit hat aber gezeigt: Ein Restrisiko, dass der Deal doch noch platzt, bleibt.
Von Michael Kläsgen

Karstadt steht unmittelbar davor, Galeria Kaufhof zu übernehmen. Beide Markennamen bleiben nach Informationen der Süddeutschen Zeitung vorerst bestehen. Die insgesamt etwa 37 000 Arbeitsplätze der "Europäischen Warenhaus AG", die auch die Warenhäuser des Kaufhof-Eigners HBC in Belgien und den Niederlanden umfasst, sollen weitestgehend erhalten bleiben.

Leiten soll das Gemeinschaftsunternehmen künftig Stephan Fanderl, der Chef von Karstadt und Signa Retail, der Einzelhandelssparte der Signa Holding des Österreichers René Benko. Als Aufsichtsratschef ist zunächst der jetzige Kaufhof-Aufseher Bernd Beetz vorgesehen.

Signa unterzeichnete am Dienstag mit dem kanadischen Kaufhof-Mutterkonzern Hudson's Bay Company (HBC) ein "Wrapper Agreement", die Ummantelung eines 200 Seiten umfassenden Vertragswerks. "Der Deal ist im Ganzen ausgehandelt", hieß es aus Verhandlungskreisen. Erforderlich sei nun noch eine bestätigende Prüfung der Bücher. Bis Ende Juli soll die Übernahme abgeschlossen sein, spätestens aber in den kommenden vier bis sechs Wochen.

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Die Vereinbarung sieht vor, dass Signa für etwa 100 Millionen Euro 51 Prozent des Warenhausgeschäfts von Kaufhof übernimmt, und zwar ohne Bankschulden. Diese sollen in einer Höhe von etwa 200 Millionen Euro aus steuerlichen Gründen von HBC abgedeckt werden. Für eine Summe zwischen 700 und 800 Millionen Euro beteiligt sich Signa darüber hinaus an der Immobilienfirma HBS Global Properties von HBC, der 41 Kaufhof-Immobilien in Deutschland gehören. Handelsimmobilien vor allem in Innenstadtlage sind derzeit extrem begehrt.

Berichte, wonach 15 oder 16 Filialen der Fusion zu Opfer fallen werden, sind Unternehmenskreisen zufolge falsch. Am Ende könnten nur ein paar wenige - die Rede ist von drei bis fünf defizitäre Filialen - geschlossen werden. Andererseits könnten auch neue Standorte, wie gegenwärtig bei Karstadt, entstehen. Entscheidend sei die Frage, ob die jeweilige Filiale eine reelle Chance habe, profitabel zu werden. Gegenwärtig betreibt Kaufhof in Deutschland 96 Warenhäuser, Karstadt 82.

Die Rabattschlachten zwischen Kaufhof und Karstadt wären beendet

Fest steht, dass im Fall einer Fusion Verwaltung, IT-Logistik und Einkauf von Kaufhof und Karstadt zusammengelegt werden, um Kosten zu sparen und aufgrund des verdoppelten Einkaufsvolumens günstiger bei Herstellern einkaufen zu können. Zudem wäre die Rabattschlachten zwischen Kaufhof und Karstadt beendet. Ziel ist es, bei der Fusion die besten Mitarbeiter zu halten. Wo der neue Warenhauskonzern seinen Sitz haben wird, ist noch Verhandlungssache. Neben Köln, (Kaufhof), Essen (Karstadt) käme als "neutraler" Standort auch Düsseldorf infrage. HBC favorisiert dem Vernehmen nach die Schließung von Essen.

Ob es zu Entlassungen im großen Stil kommt, ist eine der heikelsten Fragen bei der geplanten Fusion. Betriebsräte von Kaufhof und der Deutsche Städtetag lehnten bislang vehement einen Zusammenschluss mit dem Argument ab, dann würde ein "Blutbad" entstehen, sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Uwe Hoepfel noch vor wenigen Wochen. Andererseits verweisen Warenhausexperten darauf, dass allein aufgrund laufender Mietverträge massenhafte Standortschließungen unwahrscheinlich seien.

Was die künftige Bezahlung der Kaufhof-Mitarbeiter bei einer Fusion betrifft, ist von einem Haustarifvertrag bis hin zur Beibehaltung des Flächentarifvertrages alles möglich. Gegenwärtig ist es so, dass Karstadt seine Mitarbeiter nach Haustarif und damit schlechter bezahlt als Kaufhof seine Beschäftigten. Seit vergangenem November dringt die Kaufhof-Geschäftsführung gegenüber der Gewerkschaft Verdi allerdings darauf, über einen Sanierungstarifvertrag massive Lohnkürzungen durchzudrücken. Aus Gewerkschaftssicht liegen die Verhandlungen darüber jedoch solange auf Eis, wie die Kaufhof- und Karstadt-Eigner noch über einen Zusammenschluss verhandeln.

Wie das Beispiel Karstadt zeigt, muss eine Fusion nichts automatisch einen Kahlschlag bedeuteten. Fanderl hat es geschafft, bei Karstadt mit sozialem Augenmaß die Wende herbeizuführen. Das frühere Pleite-Unternehmen macht inzwischen operativ wieder Gewinn und eröffnet neue Filialen, während Kaufhof seit der Übernahme durch HBC Verluste schreibt. Diese summierten sich bei Kaufhof im vergangenen Geschäftsjahr auf mehr als 100 Millionen Euro. Auch HBC verbrennt täglich Geld. Das ist der Grund, warum HBC vor wenigen Wochen nach langer deutlicher Abwehrhaltung doch auf Signa zuging und das Gespräch suchte. Kaufhof steht am Rande der Insolvenz.

So wie Fanderl bei Karstadt der Turnaround gelang, könnten Signa nun die Arbeitsplätze der Kaufhof-Mitarbeiter retten. Insider wollen bereits erste Signale der Warenkreditversicherer vernommen haben, im Falle einer Übernahme durch Signa Kaufhof-Kredite wieder voll abzusichern.

Eine Ungewissheit bleibt: Zwar ist im Prinzip zwischen Signa und HBC alles unter Dach und Fach, dennoch ist nicht ausgeschlossen, dass der Deal am Ende doch noch platzt. Erst im Februar hatte HBC ein drei Milliarden Euro schweres Kaufangebot von Benko für Kaufhof samt Immobilien abgelehnt. Weitere Volten in der Saga "Warenhaus AG" sind nicht ausgeschlossen.

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