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Insolvente Airline:Lufthansa wird bald erste Stellen für Air Berliner ausschreiben

Der Prozess ist auch deswegen so schwierig, weil außer Wöhrl die Interessenten - von den Tochterfirmen Niki und der Regionalfluggesellschaft LGW abgesehen - keine Unternehmensteile von Air Berlin kaufen wollen und alle Flugzeuge Leasinggesellschaften gehören. Die Interessenten müssten also in bestehende Leasingverträge einsteigen oder die Jets kaufen.

Lufthansa wird wohl schon am Mittwoch erste Stellenanzeigen veröffentlichen, auf die sich Air-Berlin-Mitarbeiter bewerben können. Sie will Piloten und Flugbegleiter auf Niveau von Eurowings bezahlen, deutlich unter den bei Air Berlin üblichen Gehältern. Und Lufthansa und Easyjet müssten Wege finden, an die Start- und Landezeiten der Air Berlin zu kommen. Die können gemäß EU-Richtlinien nur bei einem ganzen oder teilweisen Verkauf der Airline übertragen werden. Slots alleine können nicht verkauft werden.

Alle Pläne stehen ohnehin unter einem großen Vorbehalt: Die Wettbewerbsbehörden müssen zustimmen, voraussichtlich also das Bundeskartellamt und die EU-Kommission. Am Verfahren Beteiligte gehen davon aus, dass die Prüfung mehrere Monate dauern wird, denn auf innerdeutschen Strecken droht ein Monopol der Lufthansa. Betroffen wären unter anderem die Verbindungen München-Berlin, München-Hamburg oder Frankfurt-Berlin - wichtige Strecken für Geschäftsreisende.

Die große, bislang ungeklärte Frage ist, wie der restliche Flugbetrieb über einen so langen Zeitraum aufrechterhalten werden kann und wie die Slots für die neuen Anbieter, voraussichtlich Lufthansa und Easyjet, erhalten bleiben. Fluggesellschaften müssen die Zeitfenster an verstopften Flughäfen innerhalb einer Flugplanperiode zu mindestens 80 Prozent nutzen, sonst fallen sie zurück an den Flughafenkoordinator der Bundesregierung. Dieser verteilt sie nach einem definierten Schlüssel im Folgejahr an die übrigen Anbieter, 50 Prozent sind zunächst für neue Konkurrenten reserviert.

Aber nicht nur für die Rest-Air-Berlin, sondern auch für Niki bleibt die Lage bedrohlich, selbst wenn der Gläubigerausschuss der Absichtserklärung zum Verkauf an Lufthansa zustimmt. Niki hat von ihrer Muttergesellschaft horrend teure Mietverträge für 14 Flugzeuge geerbt, die TUIfly für die Air-Berlin-Gruppe fliegt. Sollte TUIfly auf den Verträgen bestehen, droht Insidern zufolge auch Niki die Insolvenz. Die Airline betreibt 17 eigene Jets und mietet 18 weitere - von TUIfly und dem Schweizer Air-Berlin-Ableger Belair. Insider rechnen allerdings damit, dass auch hier die Lufthansa helfen wird: Sie könnte zumindest einen Teil der TUIfly-Jets selbst mieten und so die Situation klären.

© SZ vom 23.08.2017/vit
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