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Ex-Rektor der European Business School:Kaffee für die Beamten bei der Hausdurchsuchung

Anfang April 2011 suchten Beamte Jahns frühmorgens heim. Sie hatten einen Durchsuchungsbeschluss und einen Haftbefehl dabei. Er bot Kaffee an und hatte ein paar Ordner mit Unterlagen vorbereitet. Er habe geglaubt, hat er später gesagt, jetzt werde sich alles rasch aufklären. Er wurde aber festgenommen und erkennungsdienstlich behandelt. Vom Haftrichter wurde er unter Auflagen freigelassen, weil sich rasch herausstellte, dass der Vorwurf der Bedrohung, der auch im Haftbefehl stand, nicht stimmte. Draußen aber lief schon die Nachricht: "EBS-Präsident in Haft".

Den Vorwurf der Ermittler gegen Jahns erläuterte ein Sprecher der Wiesbadener Staatsanwaltschaft dem Fernsehpublikum. Die Firma Brain-Net, an der Jahns Anteile besaß, hatte der Uni Rechnungen für Leistungen über insgesamt 180 000 Euro geschickt, die aber, so behauptete der Ermittler, "nicht erbracht wurden. Das nennt man Scheinrechnungen. Wir haben Hinweise, dass weitere Gelder veruntreut wurden. In welcher Höhe und in welchem Umfang, ist bis heute völlig unklar". Die Formulierung, "das nennt man" konnte den Eindruck erwecken, die Vorwürfe seien bereits nachgewiesen. Der Begriff "Scheinrechnung" klang wie eine Feststellung.

Medien wussten unter Verweis auf angebliche staatsanwaltliche Quellen zu berichten, Jahns müsse mit einer Haftstrafe bis zu 15 Jahren rechnen. Angeblich hatte ein Staatsanwalt schon nach der Durchsuchung erklärt, man könne Jahns bereits jetzt anklagen. Nachdem das gemeldet wurde, gab er sofort seine Ämter als Präsident des Verwaltungsrats der Brain-Net AG und weitere Verwaltungsratsmandate auf.

Die Medien haben vieles falsch verstanden

Die umstrittene mediale Begleitung des Verfahrens durch die Staatsanwaltschaft hat Jahns im April 2012 zu einer Klage bei der 10. Zivilkammer des Landgerichts Wiesbaden veranlasst. Das Land Hessen ist der Beklagte. Es geht um Amtshaftung. "Hörfehler", "Missverständnisse" "Übermittlungsfehler" und "ungewollte sprachliche Nuancen" habe es durchaus gegeben, räumte ein Anwalt ein, der das Land vor Gericht vertritt. Wenn man ihm aber folgt, war alles schon in Ordnung, nur die Medien haben vieles falsch verstanden. Staatsanwaltschaften gelten als "privilegierte Quellen". Wenn ein Journalist sich auf sie beruft, kann er sich normalerweise einigermaßen sicher sein.

Es läuft für Jahns bei der 10. Zivilkammer nicht schlecht. Schmerzensgeld müsste er am Ende bekommen, um Schadensersatz wird noch heftig gekämpft werden.

Fehler können immer mal passieren. Es ist nur ein bisschen viel, was in Wiesbaden passiert ist, und es stellt sich schon die Frage, ob die Anklagebehörde erst einen Popanz aufgebaut, sich dann furchtbar verirrt hat, aber uneinsichtig bleibt. Wie bei Wulff. Es gab Merkwürdigkeiten in Serie: Eine Tage dauernde Aussage von Jahns im Ermittlungsverfahren wurde unter Verweis auf fehlende "Kapazitäten" von der genervten Staatsanwaltschaft abgebrochen. Das erlebt man auch nicht alle Tage. Vom "Zerrbild des Rechtsstaats" spricht Jans Verteidiger, Alfred Dierlamm. Die Justiz stehe "vor einem Scherbenhaufen", meint Dirk Metz, der Sprecher von Jahns .