Ex-Rektor der European Business School Manche Geschichten stimmten, vieles aber nicht

Die Spiegel-Geschichte löste an der Hochschule Diskussionen aus, einige hatten viel mehr erwartet. Es existiert das Gedächtnisprotokoll einer Professorin, die von einem Jahns-Gegner angerufen wurde. Er: "Ich warte ja quasi schon die ganze Zeit darauf, dass das endlich kommt. Wie sind denn die Reaktionen bei euch?" Sie: "Na ja, der Beitrag ist stark auf die Person von Christopher abgestellt." Er: "Jetzt ist der Aufsichtsrat hoffentlich dazu bereit, ihn abzuschießen." Sie: "Eben kam eine Mail, dass der Aufsichtsrat voll hinter ihm steht." Er: "Verdammt."

Einen Tag später neuer Anruf: Er: "Keine Sorge, es gibt einen belastbaren Plan B. Jetzt wird so viel Unruhe hergestellt, dass Jahns stürzt. Es ist der Zeitpunkt, wo Jahns aus verschiedenen Positionen gestoßen wird." Sie: "Wer handelt?" Er, etwas unklar: Es gibt "einige Leute, die helfen".

Die Whistleblower, die bei Jahns angeblich Redlichkeit vermissten, aber aus Sicht des Ex-Präsidenten selbst unredlich waren, schalteten die Bild-Zeitung ein.

Ob ein Whistleblower ein anständiger Mensch ist oder nicht, ist oft Ansichtssache. Den englischen Begriff Whistleblowing kann man mit "Alarmschlagen", aber auch mit "Verpfeifen" übersetzen. Bild jedenfalls schoss ab Februar 2011 routiniert großflächig: "Präsident Jahns im Zwielicht", "Die dubiosen Rechnungen des EBS-Chefs", "Weiter Wirbel um EBS-Chef". Das Übliche. Andere Blätter sprangen auf. Es gab Geschichten, in denen manches stimmte, aber vieles eben nicht. Wie bei Wulff.

Jahns drängte, die "Denunzianten" zu enttarnen

Ein Anonymus erstattete am 23. März 2011 eine weitere Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft. Diesmal gegen fünf Mitglieder des Aufsichtsrats, die sich aus seiner Sicht noch nicht ausreichend gegen Jahns gestellt hätten. Sie verletzten dadurch angeblich ihre Pflicht, "fremde Vermögensinteressen wahrzunehmen".

Jahns drängte, die "Denunzianten" zu enttarnen. Er wusste, wie später der Prozess zeigte, früh die richtigen Namen. Aber ihm wurde damals von anderen vorgeworfen, er vergifte das Klima an der Hochschule.

Wilde Geschichten wurden kolportiert. Angeblich habe Jahns Zeugen unter Druck gesetzt und mit Mord gedroht. Das war, wie sich später herausstellte, nicht wahr. Ein besonders leidenschaftlicher Jahns-Gegner hatte das kolportiert.

Die Informanten des Magazins und des Boulevardblattes wurden wichtige Zeugen der Staatsanwaltschaft, die im Stillen ein Ermittlungsverfahren eingeleitet hatte.