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Ex-Barclays-Chef vor Untersuchungsausschuss:Pikante Kontakte zu Notenbankern

Weltweit laufen in der Sache Ermittlungen gegen mehr als ein Dutzend Großbanken, darunter auch die Deutsche Bank und UBS. Denn die Bedeutung des Libors ist immens: Seine Entwicklung dient auch als Basis für variabel verzinste Kredite an Unternehmen, Privatpersonen und weitere Transaktionen in einem Volumen von 360 Billionen Dollar.

Barclays hatte als erstes Geldhaus Fehlverhalten eingeräumt. Die Bank wurde von Behörden in den USA und Großbritannien zu einer Strafe von fast einer halben Milliarde Dollar verdonnert. Neben Diamond mussten auch Verwaltungsratschef Marcus Agius und der fürs Tagesgeschäft zuständige Vorstand Jerry del Missier ihren Hut nehmen.

In einem jetzt veröffentlichten neunseitigen internen Bericht äußert die Bank "tiefes Bedauern" über die Vorfälle. Das hätte niemals passieren dürfen, heißt es in dem Dokument, das einen Tag vor Diamonds Anhörung veröffentlicht worden ist.

Das Institut habe zur Aufarbeitung des Skandals in einer internen Untersuchung mehr als drei Jahre lang 22 Millionen Dokumente durchforstet und mehr als 75 Interviews geführt. Insgesamt habe das gut 100 Millionen Pfund gekostet.

Sprengstoff hatte in dem Bericht vor allem die Passagen, in denen es um die regelmäßigen Kontakte mit Vertretern der Notenbank geht. In einer Chronik zeigt Barclays auf, wann Manager mit Zentralbankern gesprochen haben. Besonders pikant ist dabei eine Notiz von Diamond, der damals noch an der Spitze der Investmentbanking-Sparte stand: Darin verweist der US-Amerikaner auf ein Gespräch mit dem Vize-Gouverneur der Bank von England, Paul Tucker, in dem dieser berichtet habe, dass ihn Regierungsvertreter angerufen hätten, um zu fragen, warum Barclays so hohe Zinsen bei der Libor-Festsetzung angebe. "Herr Tucker meinte, die Anrufe seien von hochrangigen Personen gekommen. Zudem meinte er, dass wir zwar bestimmt keinen Rat brauchten, es aber sicher nicht immer nötig sei, dass wir so hohe Zinsen wie zuvor angeben", schrieb Diamond dem Dokument zufolge in einem Brief an den damaligen Bankchef John Varley.

Daraus habe die Bank abgeleitet, dass es durchaus genehm sei, niedrigere Zinsen zu übermitteln. Die Bank von England äußerte sich nicht dazu. Der damals zuständige Finanzminister Alistair Darling wies die Darstellung aber zurück:

"Ich fände es absolut verwunderlich, wenn die Notenbank eine solche Empfehlung abgegeben hätte und ich kann mir auch keine Umstände vorstellen, in denen jemand speziell in meinem Verantwortungsbereich - dem Finanzministerium - so etwas getan hätte", sagte er dem TV-Sender Channel Four.

© Süddeutsche.de/Reuters/hgn/jab/bavo

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