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Ex-Arcandor-Chef:Middelhoff stellt Antrag auf Privatinsolvenz

Trotz angebotener Kaution: Middelhoff muss in U-Haft bleiben

Der Ex-Manager Thomas Middelhoff - hier aufgenommen im vergangenen Novermber - sitzt seit letztem Jahr in Untersuchungshaft.

(Foto: dpa)
  • Thomas Middelhoff hat sich beim Amtsgericht Bielefeld für zahlungsunfähig erklärt. Er verfüge über kein privates Vermögen mehr.
  • Zuvor war ein Antrag des ehemaligen Chefs von Bertelsmann und dem Karstadt-Mutterkonzern Arcandor auf Entlassung aus der Untersuchungshaft gegen Kaution erneut gescheitert.
  • Die Richter befürchten weiterhin, dass Middelhoff sich ins Ausland absetzen könnte - auch weil ihm ein weiterer Strafprozess droht.

Antrag auf Privatinsolvenz

Der ehemalige Spitzenmanager Thomas Middelhoff hat nach Angaben des Amtsgerichts Bielefeld einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens über sein eigenes Vermögen gestellt. Das Gericht habe als vorläufigen Insolvenzverwalter den Bielefelder Anwalt Thorsten Fuest eingesetzt, hieß es weiter. Von diesem war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Auch Middelhoffs Anwalt wollte sich dazu nicht äußern.

Untersuchungshaft nach Untreue-Urteil

Der ehemalige Bertelsmann- und Karstadt-Quelle-Chef war im November wegen Untreue und Steuerhinterziehung vom Landgericht Essen zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Er sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Dagegen war am Dienstag auch eine weitere Haftbeschwerde Middelhoffs vor dem Oberlandesgericht Hamm erfolglos geblieben. Die Voraussetzungen für die Fortdauer der Untersuchungshaft sehe der 5. Strafsenat des Gerichts "nach wie vor erfüllt", hieß es. Denn im Falle Middelhoffs bestehe weiter Fluchtgefahr.

"Geschäftliche Perspektiven" im Ausland vermutet

Zudem mache der ehemalige Chef des Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor geltend, derzeit über kein privates Vermögen zu verfügen, hieß es bereits vor dem Privatinsolvenzantrag. Er werde sich deshalb schnellstmöglich eine neue wirtschaftliche Existenzgrundlage aufbauen müssen, vermuteten die Richter. Middelhoff könnte dazu seine umfangreichen Auslandskontakte außerhalb Europas nutzen, denn dort habe er "weiterhin geschäftliche Perspektiven".

Weitere Anklage der Bochumer Staatsanwaltschaft

Im Januar hatte die Staatsanwaltschaft Bochum erneut Anklage gegen Middelhoff erhoben. In diesem Fall geht es einem Sprecher zufolge um eine Zahlung des Arcandor-Konzerns in Höhe von rund 800 000 Euro aus dem Jahr 2009 an die Universität Oxford. Es bestehe der Verdacht, dass es dafür keine Gegenleistung gegeben habe.

Das Gericht muss nun entscheiden, ob es die Anklage zulässt. Middelhoffs Anwalt Winfried Holtermüller hatte sich damals nicht geäußert. Gegen das Essener Untreue-Urteil haben Middelhoffs Anwälte beim Bundesgerichtshof Revision eingelegt.

© SZ.de/Reuters/dpa/sry/dd
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