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EWE-Chef:Klitschko-Spende bringt Manager zu Fall

EWE-Vorstandschef Matthias Brückmann

Verliert wegen einer umstrittenen Spende seinen Posten bei EWE: Matthias Brückmann

(Foto: dpa)
  • Wegen einer umstrittenen Spende an Ex-Boxweltmeister Wladimir Klitschko muss der Chef eines großen Energieversorgers gehen.
  • Er hatte 253 000 Euro an die Klitschko-Stiftung überwiesen, ohne den Aufsichtsrat seines Unternehmens darüber zu informieren.

Der Chef des Oldenburger Energieversorgers EWE, Matthias Brückmann, ist wegen einer umstrittenen Spende an eine Stiftung des Ex-Boxweltmeisters Wladimir Klitschko entlassen worden. Der Aufsichtsrat des fünftgrößten deutschen Energieversorgers hat die Abberufung des Managers einstimmig entschieden, sagte ein Sprecher.

Die Entscheidung basiert demnach auf dem Bericht einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, den das Kontrollgremium in Auftrag gegeben hatte. Der Manager habe eine "Vielzahl diverser grober Verfehlungen" begangen, hieß es. In dem Gutachten wurden mehrere Vorwürfe gegen Brückmann untersucht. Der schwerwiegendste drehte sich um eine umstrittene Spende: Der EWE-Chef ließ im vergangenen Jahr 253 000 Euro an die Klitschko-Stiftung nach Kiew überweisen - ohne den Aufsichtsrat darüber zu informieren. Lokale Medien berichteten, dass der Boxer im Gegenzug nach Oldenburg kommen sollte.

Brückmann drohen auch rechtliche Konsequenzen

Brückmann hatte noch vor der Entscheidung des Aufsichtsrates ein eigenes Gutachten vorgelegt, dass ihn entlasten sollte. Darin kommt ein Rechtswissenschaftler von der Universität Mainz zu dem Ergebnis, dass Brückmann rechtmäßig gehandelt hat. Der Vorstand hätte über ein Budget von 500 000 Euro für Spenden verfügt. Das Unternehmen widerspricht dieser Darstellung. Nach Angaben eines EWE-Sprechers hätte das Gremium der Zahlung zustimmen müssen.

Brückmanns Anwalt kündigte kurz nach der Entscheidung eine Klage an: "Die gegenüber Herrn Brückmann erhobenen Vorwürfe sind völlig haltlos. Der Widerruf seiner Bestellung zum Vorstandsvorsitzenden und die Kündigung seines Anstellungsvertrages sind daher unbegründet", schrieb er. "Da Herrn Brückmann eine Stellungnahme zu den Vorwürfen im Aufsichtsrat verweigert wurde, hätte im Übrigen in der heutigen Sitzung gar keine Entscheidung getroffen werden dürfen."

Brückmann verliert wegen der Spende nun nicht nur den Job. Ihm drohen auch rechtliche Konsequenzen. Die Oldenburger Staatsanwaltschaft ermittelt seit vergangener Woche wegen des Verdachts der Untreue.

© SZ.de/dpa/jps

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