Chemieindustrie:Zucker gegen den ganzen Dreck

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Chemieindustrie: Nicht besonders klimafreundlich: Herkömmliche Spülmittel werden meist aus Palmöl oder Erdöl hergestellt.

Nicht besonders klimafreundlich: Herkömmliche Spülmittel werden meist aus Palmöl oder Erdöl hergestellt.

(Foto: Imago/Bihlmayerfotografie)

Evonik baut eine große Anlage, die Chemikalien für Spülmittel aus natürlichen Zuckern herstellt. Einen prominenten Abnehmer gibt es schon. Doch Biomasse birgt als Rohstoff auch ein Risiko.

Von Benedikt Müller-Arnold, Düsseldorf

Man führt sich selten vor Augen, in wie vielen Produkten des Alltags Chemikalien stecken, die bislang klimaschädlich aus Erdöl oder Palmöl hergestellt werden. Zum Beispiel Tenside: seifenähnliche Substanzen, die etwa dazu beitragen, dass Spülmittel den Dreck vom Teller entfernen und über das Wasser entsorgen.

Nun stellt der Chemiekonzern Evonik die Produktion in einem ersten, großen Schritt um: Das Essener Unternehmen baut für mehr als 100 Millionen Euro eine neue Anlage, die Tenside aus natürlichen Zuckern herstellt. Dies hat Evonik nun bekanntgegeben. Demnach handelt es sich um die weltweit erste Produktionsanlage dieser Größe für biobasierte Tenside. Ein großer Abnehmer der Chemikalien ist der Konzern Unilever, bekannt etwa für Marken wie "Dusch das" oder "Sun"-Spülmittel.

Der Einsatz von Biomasse - im konkreten Fall Mais aus europäischem Anbau - ist eine der Möglichkeiten, wie die Chemieindustrie unabhängiger von fossilen Rohstoffen wie Erdöl werden kann. Doch dies birgt auch ein Risiko: "Wir müssen darauf achten, dass wir mit unserem Bedarf an Zuckern nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion treten", sagt Harald Schwager, stellvertretender Vorstandschef von Evonik. "Wenn wir künftig Mais-Abfälle fermentieren, besteht diese Gefahr nicht mehr."

Die neue Anlage soll an einem bestehenden Evonik-Standort in der Slowakei entstehen. Dort tüfteln Biotechnologen seit mehr als zehn Jahren an den alternativen Tensiden. "Als die Kollegen damals losgelaufen sind, waren diese Themen noch nicht wirklich en vogue", sagt Schwager. Mittlerweile steige die Nachfrage stark. "Der Markt für Bio-basierte Tenside dürfte in den nächsten zehn Jahren auf etwa eine Milliarde Euro anwachsen." Dies wäre freilich nach wie vor nur ein Bruchteil des gesamten Weltmarkts für Tenside, dessen Volumen Schwager mit einem zweistelligen Milliardenbereich beziffert.

Der Abnehmer Unilever setzt die alternativen Tenside - aus einer deutlich kleineren Test-Anlage - bislang in Spülmitteln ein, die er in Vietnam und Chile verkauft. "Die Markttests von Unilever waren bislang erfolgreich", sagt Schwager. "Alles, was wir als Evonik an Bio-Tensiden produzieren, verkaufen wir auch." Unilever will nach eigenen Angaben bis zum Jahr 2030 jeglichen fossilen Kohlenstoff in eigenen Reinigungsprodukten durch umweltfreundlichere Ressourcen ersetzen.

Die neue Anlage von Evonik soll in zwei Jahren in Betrieb gehen. An der Börse hat der Konzern, der Spezialchemikalien etwa auch an die Auto- oder Pharmaindustrie verkauft, am Freitag zeitweise leicht an Wert verloren. Der Unilever-Konzern mit Wurzeln in den Niederlanden und Großbritannien ist an den Börsen in Amsterdam, London und New York notiert.

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