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Eurowings:Schlank im Flug

Lufthansa-Ableger Eurowings will seine Konzernstruktur massiv vereinfachen und damit Kosten drücken. Doch der Verkauf der Fluglinie Condor, der sich gerade abzeichnet, könnte diese Pläne wieder gefährden.

Lufthansa-Ableger Eurowings will nach dem massiven Wachstum der vergangenen Jahre die Konzernstruktur massiv vereinfachen. In den kommenden Jahren soll es laut Eurowings-Chef und Lufthansa-Vorstandsmitglied Thorsten Dirks idealerweise nur noch einen Flugbetrieb pro Standort geben. Das soll die Kosten drücken und die Abläufe vereinfachen.

Ohne das Plattformmodell, bei dem mehrere Flugbetriebe mit verschiedenen Kostenstrukturen unter einer Marke fliegen, wäre Eurowings "nicht da, wo wir heute sind", sagt Dirks. "Aber jetzt wollen wir das Thema ein Flugbetrieb pro Standort angehen." Eurowings war in den vergangenen zwei Jahren und vor allem nach der Pleite der Air Berlin stark gewachsen. Allein 2018 hat das Unternehmen 77 zusätzliche Flugzeuge und 3000 Mitarbeiter übernommen. Doch das starke Wachstum führte auch zu komplexen Strukturen: Allein in Deutschland sind die Flüge unter der Marke Eurowings auf sechs verschiedene Flugbetriebe mit eigenen Lizenzen und eigener Verwaltung verteilt.

Die operativen Kosten von Eurowings sind auch deswegen immer noch vergleichsweise hoch, auch wenn sie unter denen der Kernmarke Lufthansa liegen. Um die Strukturen zu vereinfachen, müsste sich Eurowings mit den Gewerkschaften auf die Übergangsregeln und im Laufe der Zeit auch auf einheitliche Tarifbedingungen einigen. Seit Anfang 2018 hat die Fluggesellschaft 16 unterschiedliche Tarifverträge mit verschiedenen Personalgruppen für die unterschiedlichen Tochtergesellschaften geschlossen. Sondierungsgespräche mit der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) sind angesetzt. "Wir sehen in einer solchen grundlegenden strategischen Neuausrichtung der Eurowings durchaus Chancen", schreibt die Pilotengewerkschaft an ihre Mitglieder.

Womöglich wird das Konstrukt Eurowings aber schon bald wieder komplexer, sollte die Lufthansa den Zuschlag für Teile der Ferienfluglinie Condor bekommen. Der Reisekonzern Thomas Cook will das Unternehmen mitsamt der Flugsparte verkaufen. Erste Gespräche laufen dem Vernehmen nach, bei Eurowings könnte Condor die Langstrecken aus Frankfurt fliegen. Dirks sagt dazu nur, Eurowings wolle "die Konsolidierung aktiv mitgestalten".

In der Branche heißt es, vor dem Sommer sei mit einer Entscheidung zur Zukunft von Condor nicht zu rechnen. Große Überschneidungen zwischen Eurowings und Condor gibt es auf den Kurz- und Mittelstrecken, daher sei es praktisch unmögliche, eine kartellrechtliche Genehmigung für diesen Teil zu erhalten. Auf der Langstrecke ergänzen sich die Streckennetze viel besser.

Eurowings selbst verlagert ab Herbst vier Langstreckenjets nach Frankfurt, um dort Ferienziele anzusteuern, die die Lufthansa nicht profitabel bedienen kann. "Der Schritt nach Frankfurt macht sehr viel Sinn", sagt Dirks. Allerdings räumt er auch Fehler ein, denn Eurowings verschiebt die Langstrecken schon zum zweiten Mal. Erst im vergangenen Jahr war der Betrieb von Köln/Bonn nach Düsseldorf umgezogen, wo nun noch vier von elf Maschinen bleiben sollen. Viele Airlines arbeiten an Optimierungen", sagt Dirks. "Auch wir."