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Eurowings:Ein turbulenter Winter

Eine Runde zu viel

Ein aufsehenerregendes Flugmanöver der letzten Air-Berlin-Maschine aus den USA nach Düsseldorf beschäftigt das Luftfahrt-Bundesamt. Das Flugzeug mit 223 Passagieren aus Miami war am Montag kurz vor der Landung durchgestartet und nach links über den Düsseldorfer Airport abgedreht. Nach einer Runde brachte der Pilot Flug AB 7001 sicher auf den Boden. Nach Angaben eines Air-Berlin-Sprechers handelte es sich um ein zulässiges Durchstartmanöver. Beschwerden von Passagieren habe es nicht gegeben. dpa

Die Billigflug­gesellschaft erwartet große Probleme bei der Eingliederung der Air-Berlin-Maschinen. Die Lufthansa-Tochter wird keine alten Air-Berlin-Tickets aner­kennen, allenfalls günstigere Restkapazitäten anbieten.

Die Lufthansa-Tochterfirma Eurowings bereitet sich und seine Kunden auf eine teilweise turbulente Integrationsphase für Teile von Air Berlin vor. "Der Winter wird strubbelig", sagte der neue Eurowings-Chef Thorsten Dirks in Düsseldorf. Eurowings geht zwar davon aus, den eigenen Winterflugplan wie geplant abfliegen zu können, obwohl 30 bislang von der insolventen Air Berlin betriebene Flugzeuge nun schnell aufgefangen werden müssen. Dies wird aber laut Dirks nur mit vielen Mühen gelingen. Und: Eurowings wird keine alten Air Berlin-Tickets anerkennen, allenfalls Restkapazitäten günstig anbieten.

Nachdem Air Berlin angekündigt hat, den eigenen Flugbetrieb am Freitag kommender Woche einzustellen, befinden sich alle Beteiligten in einem Wettlauf mit der Zeit. Eurowings übernimmt insgesamt 81 ehemalige Air Berlin-Flugzeuge sowie die Tochtergesellschaften LGW (Luftfahrtgesellschaft Walter) und Niki, allerdings kann dies erst dann geschehen, wenn die Europäische Kommission die wettbewerbsrechtliche Freigabe erteilt. Dirks erwartet dies bis Ende des Jahres. Doch im November und Dezember muss Eurowings den Wegfall der 30 Maschinen kompensieren, die Air Berlin bislang in ihrem Auftrag betrieben hat. LGW sowie externe Anbieter sollen im Rahmen von Mietverträgen kurzfristig einspringen. "Es wird Flugzeuge mit unterschiedlichen Bemalungen geben und viele unterschiedliche Uniformen," so Dirks. "Es wird nicht alles glatt laufen."

Der Kaufpreis für LGW und Niki soll dafür verwendet werden, den Flugbetrieb von LGW und Niki auch in der Zwischenphase aufrecht zu erhalten. Niki wird wie bisher Ferienflüge unter eigenen Flugnummern durchführen. Reiseveranstalter haben große Sitzplatzkontingente übernommen. Eurowings wird womöglich einige Niki-Maschinen vorab anmieten.

Noch problematischer als für die Airlines ist die Lage aber für die Passagiere, die für den Winter Air-Berlin-Tickets gekauft haben und deren Flüge wegen der Pleite nun gar nicht mehr stattfinden. Dirks sieht Eurowings nur sehr eingeschränkt in der Pflicht, zu helfen. "Dafür ist die Air Berlin verantwortlich," so der Airline-Chef. "Wer bei Air Berlin einen Einzelplatz gekauft hat, muss sich ein neues Ticket kaufen." Eurowings will Kunden, die ein Air-Berlin-Ticket für die nächsten Wochen nachweisen können, helfen, in dem sie diesen günstigere Preise auf den betreffenden Strecken anbietet. Dies müsse im Einzelfall entschieden werden. Grundsätzlich seien die Flüge bereits sehr stark ausgelastet, weil die Nachfrage sehr hoch sei.

Dirks wehrte sich gegen den Eindruck, Eurowings und Lufthansa könnten nun die Preise massiv anheben: "Es sind keine Preiserhöhungen auf breiter Front geplant." Wenn Sitze auf einzelnen Strecken teurer würden, liege das an der hohen Auslastung. Eurowings wird für den Reisezeitraum Januar bis April eine Million Tickets für 29 Euro anbieten.

Eurowings habe mit der Europäischen Kommission bereits informelle Vorgespräche geführt, die Übernahmen von Niki und LGW aber noch nicht formal angemeldet. Dennoch rechnet Dirks damit, dass die Kommission das Vorhaben mit Auflagen genehmigen wird. Wie hoch diese Auflagen sein werden, hängt unter anderem davon ab, ob Konkurrent Easyjet doch noch in letzter Minute wie geplant 25 ehemalige Air-Berlin-Maschinen übernimmt. Easyjet will mit den Flugzeugen eine große Basis auf dem Flughafen Berlin-Tegel aufbauen und vor allem innerdeutsche Strecken bedienen, auf denen bislang Air Berlin geflogen ist. Damit würde der Wettbewerb auf Inlandsstrecken erhalten bleiben, Lufthansa/Eurowings müssten mit vergleichsweise geringen Auflagen rechnen.

Doch es gibt Anzeichen dafür, dass die Easyjet-Transaktion nicht rechtzeitig zustande kommt. Dies würde die Genehmigung des Eurowings-Geschäftes erschweren. Mit der Integration der ehemaligen Air Berlin-Flugzeuge wird Eurowings noch einmal drastisch wachsen. Die Flotte wird von derzeit 160 Maschinen auf 211 ausgeweitet - 30 der 81 Jets fliegen schon bislang in ihrem Auftrag. In Düsseldorf wird Eurowings fast 50 Flugzeuge stationieren und damit mit Lufthansa auf einen Marktanteil von 48 Prozent kommen Für die von Arbeitslosigkeit bedrohten Beschäftigten der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin könnte es unterdessen doch eine Transfergesellschaft geben.