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Europäisches Patentamt zieht Bilanz:Patente Unternehmen

Das Tattoo vibriert, wenn jemand auf dem Handy anruft? Klasse Idee, das wird patentiert - in Europa wurden so viele Ideen angemeldet wie noch nie. Das Europäische Patentamt lobt die Forschungsinvestitionen der Unternehmen. Ein Münchner Konzern sichert sich den Spitzenplatz.

Darauf hat die Welt gewartet: Nokia hat ein Patent für Vibrations-Tattoos beantragt. Der Körperschmuck vibriert bei eingehenden Anrufen und SMS, eine magnetische Spezialtinte reagiert auf Signale des Mobiltelefons.

Das Patent ist erstmal in den USA angemeldet, nicht in Europa. Die hiesigen Patentwächter konnten somit dieses Kuriosum nicht in die Akten aufnehmen, trotzdem liegt ein Rekordjahr hinter ihnen: In Europa wurden im vergangenen Jahr etwa 244.000 Patente ausgestellt, wie das Europäische Patentamt in seinem Bericht für 2011 mitteilt. Das entspricht einem Plus von fast vier Prozent im Vergleich zu 2010 - nie hatte das Patentamt mit Sitz in München mehr Arbeit.

Die meisten Patente stammen aus Europa, der Anteil der Anträge aus Asien hat in den letzten Jahren aber zugenommen - und lag im vergangenen Jahr schon bei 33 Prozent. Mehr als 33.000 Patente haben ihren Ursprung alleine in Deutschland, die Bundesrepublik ist damit das europäische Land mit den meisten Innovationen. Auf globaler Ebene haben die USA allerdings ihre Spitzenposition verteidigt: Ein Viertel der Patente kam aus den Vereinigten Staaten.

Die Liste der innovativsten Unternehmen wird erneut von Siemens angeführt. Das Technologieunternehmen beantragte mehr als 2200 Patente in Europa. Siemens Chef Peter Löscher zeigte sich stolz ob des Ideenreichtums in seinem Konzern. "Das ist der Beweis für den Erfindungsreichtum unserer Mitarbeiter."

Mit Philipps, BASF, Bosch und Ericsson tauchen noch vier weitere europäische Unternehmen in den Top Ten auf. Das Ergebnis würde die dauerhaften Investitionen der europäischen Firmen in die Forschung widerspiegeln, lobte Benoît Battistelli, der Präsident des Europäischen Patentamtes.

Linktipp: Die Idee hinter Patenten klingen gut: Teure Entwicklungen sollen durch den Schutz belohnt werden. Doch Patente können auch schaden - etwa wenn Schwellenländer nicht auf Technologien zugreifen können, die das Klima schützen würden, erklärt das Magazin brand eins.

© Süddeutsche.de/bero/bbr
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