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Europäische Zentralbank:Sternenhimmel

Eröffnung EZB - Eurosymbol

Am Euro-Symbol vor der alten EZB fehlt eine Ecke an einem Stern. Die unteren Sterne waren schon häufig kaputt - die Reparatur kostet 3000 Euro.

(Foto: Fredrik Von Erichsen/dpa)

Die EZB ist umgezogen, doch das Euro-Wahrzeichen verrottet an alter Stelle. Nun bekommt das Denkmal eine neue Bestimmung.

Länger schon leuchten nachts am Frankfurter Willy-Brandt-Platz nicht mehr alle Sterne. Das überdimensionale Eurozeichen prangt blau-gelb zwischen Betonbauten und Glastürmen. Zwei der zwölf Sterne funkeln nicht mehr. Dieser kleine Farbklecks in all dem Grau sieht schon ein wenig verloren aus. Ganz so, als hätte ihn jemand vergessen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) ist im März an den Stadtrand gezogen und wird ihre unmodische Euro-Skulptur nicht mehr vor dem neuen Gebäude aufbauen. Es wurden gar Forderungen laut, sie wegzuwerfen oder in ein Museum zu stellen. Mitsamt den Schmierereien und Aufklebern aus den Occupy-Zeiten. Doch nun naht Rettung, die Euro-Figur wird für stolze 60 000 Euro restauriert.

"Wir brauchen uns des Euros nicht zu schämen. Er muss nur mal gereinigt werden", sagt Manfred Pohl. Er ist Vorsitzender des Vereins Kulturkomitee, der die Figur 2002 bauen ließ und seitdem auch pflegt. Den Großteil der Finanzierung teilen sich der Verein, die Bundesbank und die EZB. Letztere beteiligt sich jährlich mit 12 000 Euro an den Stromkosten.

Renovierung statt Zerstörung also für ein Wahrzeichen, das lange Zeit als Zierbild auftauchte. Doch bis zum Herbst ist noch einiges zu tun. Sticker, Graffitis und ein herabhängender Stern sind die Hinterlassenschaften derer, "die den Euro aus welchen Gründen auch immer nicht mögen", sagt Pohl.

Er meint damit vor allem Kapitalismuskritiker. Damals, 2012, campierten jene, die sich als die "99 Prozent" der Bevölkerung bezeichneten, neben der Figur. Das gab schöne Bilder wilder Anarchisten neben dem Euro. Die unteren Sterne waren ständig zerstört, deshalb hat man sie mit fester Plastikfolie verstärkt. Die Reparatur kostete jedes Mal 3000 Euro.

Doch Manfred Pohl liebt seinen Euro, und wenn die Kapitalismuskritiker die Skulptur nicht wollen, dann soll sie jemand anderes haben. Im Herbst, wenn die Restaurierung abgeschlossen ist, wird die bisherige Symbolkraft des Zeichens einfach umgewandelt. Frankfurt soll zur "Stadt der europäischen Jugend" gemacht werden, der Euro ihr Symbol. Jugendliche aller europäischen Länder sollen in Frankfurt zum Dialog mit "den Großen" zusammenkommen, also mit Politik und Wirtschaft. Pohl möchte ihnen eine Lobby geben und eine "Heimat in Frankfurt".

Das sind hochgesteckte Ziele. Im Frankfurter Schauspiel, dessen Haus direkt gegenüber steht, findet man den Euro überflüssig und nichtssagend. Intendant Oliver Reese sagte dem Wall Street Journal: "Wir sollten das Ding einfach abreißen." Pohl hält dagegen: "Die Menschen brauchen nun mal Symbole. Fraglich nur, ob das Symbol gerade für die Generation funktioniert, die mit der Ungewissheit um ihre Währung aufwuchs.

© SZ vom 10.04.2015

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