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Europäische Zentralbank:Bankenverbände kritisieren die Idee

Dass das Ganze nicht so einfach ist, weiß auch Mario Draghi. Er selbst hat vor den "Nebenwirkungen" gewarnt, die es zu überwinden gelte, bevor Strafzinsen eingeführt werden könnten. Einer dieser unerwünschten Effekte wäre, dass das viele Geld in hochriskante Geschäfte fließen könnte. Denn wenn Banken das Geld unbedingt unter die Leute bringen müssen, werden sie nicht mehr so genau darauf achten, in was sie investieren. "Investoren nehmen dann auf der Jagd nach Rendite zu hohe Risiken auf sich, weil die Zinsen nichts mehr bringen. Mittelfristig droht eine neue Spekulationsblase", befürchtet Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank.

Doch vielleicht geht es den Notenbankern, die den Strafzins befürworten, gar nicht um die Kreditvergabe. Eine durchaus erwünschte Nebenwirkung ist, dass durch die Maßnahme der Wechselkurs sinken könnte. Denn durch den Strafzins würde Geld aus dem Euro abfließen. Und ein niedrigerer Wechselkurs würde den Export ankurbeln.

Die Notenbanker wollen vor allem ein Signal aussenden: Tut etwas!

Wie stark die Maßnahme den Wechselkurs und die Kreditvergabe beeinflussen würde, können selbst Experten nicht sagen. Vergleichsdaten gibt es kaum. In Dänemark hat die Zentralbank im Juli 2012 den Negativzins eingeführt. Der Erfolg ist bislang bescheiden. Die Zinsen sind im Schnitt nur geringfügig gesunken, bei manchen Banken sind sie sogar gestiegen. Das Phänomen der Strafgebühr bei Geldeinlagen ist in der einen oder anderen Art an den Finanzmärkten präsent. So werfen manche kurzlaufende Bundesanleihen ebenfalls "negative Rendite", sprich Verlust ab, die Schweiz hat ausländische Einlagen in Franken mit einem Negativzins belegt, um so die Nachfrage nach der Schweizer Währung einzudämmen.

Die Banken hingegen sehen eine Folge sehr klar: Es würde sie Geld kosten. Es verwundert daher wenig, dass sich die deutschen Bankenverbände unisono gegen die Idee der EZB aussprechen. Die Wirkung des Strafzinses sei "zweifelhaft", sagt der Genossenschaftsverband BVR. Die Sparkassen bezeichnen die Maßnahme gar als überflüssig: "Die Sparkassen und Landesbanken muss niemand zwingen, Kredite zu vergeben", sagt ein Sprecher. Und Michael Kemmer, Chef des Bundesverbands der Privatbanken warnt vor den unabsehbaren psychologischen Wirkungen: "Dies könnte zu erheblichen Verunsicherungen bei Sparern und Investoren führen."

Die Notenbanker im Frankfurter Eurotower sind sich der Nebenwirkungen klar bewusst. Vielleicht liegt die Intention auch gar nicht darin, die Negativzinsen Realität werden zu lassen, sondern der Politik und den Banken ein unmissverständliches Signal zu geben: Tut etwas, sonst handeln wir.

© SZ vom 07.05.2013/kjan
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