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Europäische Banken:Wie die Börsen auf den Stresstest reagieren

  • Die EZB hat die Ergebnisse des Banken-Stresstests am börsenfreien Sonntag veröffentlicht - die Reaktion der Märkte fiel positiv aus: Der Dax stieg zunächst wieder auf mehr als 9000 Punkte.
  • Der negative Ifo-Geschäftdklimaindex drehte den Dax dann aber wieder ins Minus.
  • Auch der Euro wird durch den Banken-Test gestärkt und steigt auf 1,2697 US-Dollar.
  • Die Aktien der italienischen Traditionsbank Monte dei Paschi brachen ein und mussten vom Handel ausgesetzt werden.

Italienische Traditionsbank bricht ein

Für die angeschlagene italienische Traditionsbank Monte dei Paschi di Siena (MPS) kommt es nach dem missglückten Stresstest knüppeldick: Die Aktien sind am Montag an der Mailänder Börse nach einem Kurseinbruch von 15 Prozent vom Handel ausgesetzt worden. Zeitweise beliefen sich die Verluste sogar auf mehr als 18 Prozent. Auslöser waren die Ergebnisse des Bankentests der Europäischen Zentralbank (EZB), den die MPS nicht bestand. Das Geldhaus braucht nach EZB-Berechnungen 2,1 Milliarden Euro frisches Kapital. Auch acht andere italienische Banken rasselten bei dem Stresstest durch.

Dax steigt über 9000-Punkte-Marke

In Deutschland war dagegen Erleichterung über die Ergebnisse des Banken-Stresstests spürbar. Investoren griffen am deutschen Aktienmarkt zu: Der Dax stieg am Montag zu Handelsbeginn wieder über die Marke von 9000 Punkten. Im frühen Handel gewann der deutsche Leitindex 1,00 Prozent auf 9077,43 Punkte. Angeführt wurde er von Papieren der Commerzbank, die mit plus 9,5 Prozent auf den höchsten Stand seit Mitte September sprangen. Die Deutsche Bank legte um etwa 3 Prozent zu. Die schlechte Stimmung der Unternehmen, die sich im erneut gesunkenen Ifo-Geschäfstklimaindex ausdrückt, ließ den Index am Vormittag aber wieder ins Minus rutschen.

In Deutschland verfügen alle großen Banken über ausreichend Kapital, um auch schweren Krisen zu trotzen, wie die Bankenaufseher am Sonntag mitteilten. Einzig die Münchener Hypothekenbank fiel bei den Tests auf Grundlage der Zahlen von 2013 durch. Diese und elf weitere Geldhäuser haben in diesem Jahr aber schon nachgebessert und ihre Puffer um insgesamt 15 Milliarden Euro gestärkt.

Anleger werteten es laut Händlern positiv, dass die Testergebnisse einen geringeren Kapitalbedarf der europäischen Banken aufzeigten als erwartet. Zwar hätten 25 Banken den Test nicht bestanden - allerdings sei ein Großteil der Kapitallücken, die Ende 2013 bestanden, bereits von den betroffenen Banken gefüllt worden.

Der nächste Dämpfer wurde allerdings bereits bekannt: Das Ifo-Geschäftsklima ist veröffentlicht worden - es ist der wichtigste deutsche konjunkturelle Frühindikator. Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft hat sich weiter verschlechtert. Experten gehen davon aus, dass der Ifo-Index auf 103,2 von 104,7 Zählern zurückgegangen ist. Es ist der sechste Rückgang in Folge.

Euro legt nach Stresstest zu

Der Euro hat nach dem Banken-Stresstest in der Eurozone zugelegt. Am Morgen stand die Gemeinschaftswährung bei 1,2697 US-Dollar. Am Freitagabend hatte der Euro vor den Ergebnissen des Banken-Stresstests noch deutlich unter 1,27 Dollar notiert.

Kein Einfluss auf Aktienmarkt in Tokio

An den asiatischen Börsen ist der Euro am Montag gestiegen.Die Gemeinschaftswährung war für 1,2696 Dollar zu haben nach 1,2669 Dollar im späten Handel am Freitag in New York. Damit machte der Euro gegenüber seinem Zwei-Wochen-Tief vom Donnerstag weiter Boden gut.

Am Aktienmarkt in Tokio spielte der Stresstest jedoch keine Rolle. Hier ließen sich Anleger vor allem vom schwächeren Yen zum Kauf von Exportwerten hinreißen. Die Anteilsscheine von Canon gewannen 0,9 Prozent an Wert und die von Panasonic 0,2 Prozent. Anleger warteten nun auf die Zwischenbilanzen zum zweiten Geschäftsquartal, sagten Händler. Der Nikkei-Index legte 0,3 Prozent auf 15.338 Punkte zu. Der breiter aufgestellte Topix gewann 0,5 Prozent auf 1248 Zähler. Am Devisenmarkt fiel die japanische Währung zum Dollar auf 107,98 Yen.

Warum der Stresstest für Aktionäre wichtig ist

Das Ergebnis des Stresstests ist für die Banken in Europa überwiegend gut ausgefallen. Für Sparer und Anleger war schon vorher klar: kein Grund zur Panik. Denn der Test war eine reine Simulation und hat deshalb keine Auswirkungen auf Spareinlagen. Für Aktionäre hatte der Test mehr Gewicht - doch auch sie können das Ergebnis positiv sehen. Es hat Schwachstellen aufgedeckt, die nun behoben werden können - bevor sie zum Tragen kommen. Die Anleger erfahren also zumindest, wie hoch das Risiko im Portfolio tatsächlich ist.

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© SZ.de/dpa/Reuters/infu/afis

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