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Europa streitet über Euro-Bonds:Wir zahlen gerne für die Schulden der anderen

Euro-Bonds sind das Tuschelthema des Krisentreffens zwischen Merkel und Sarkozy. Offiziell will Europas Führungsduo darüber nicht reden, doch es gibt gute Gründe, die Diskussion zu führen. Warum Euro-Bonds eine Lösung in der Schuldenkrise sein könnten - und für Deutschland gar nicht so schlimm wären.

Die Debatte um Europas desaströse Finanzlage befindet sich in einer merkwürdigen Situation. Vor gut drei Wochen haben die Staats- und Regierungschefs in Brüssel einen neuen Rettungsmechanismus entwickelt, und obwohl dieser noch gar nicht in Kraft, ja noch nicht einmal parlamentarisch abgesegnet ist, debattiert die Öffentlichkeit schon das nächste Konzept: die Einführung von Euro-Bonds, also einer gemeinsamen Anleihe aller Euro-Länder.

Merkel und Sarkozy muessen wieder ran

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy bei einer Pressekonferenz im Bundeskanzlerin.

(Foto: dapd)

Das verwundert zunächst ein wenig, weil es doch im Prinzip naheliegend wäre, den vermutlich von Herbst an umsetzbaren Brüsseler Beschlüssen erst einmal eine Chance zu geben. Allerdings ist es nachvollziehbarer, wenn man sich die Reaktionen auf diese Brüsseler Beschlüsse anschaut: Denn Angela Merkel, Nicolas Sarkozy & Co. haben mit diesem Treffen keineswegs für Ruhe und Klarheit gesorgt. Denn schon kurz danach gerieten Italien und Spanien unter den massiven Druck der Finanzmärkte und die Börsen Europas in heftige Turbulenzen - nicht ausschließlich, aber doch zu einem gewichtigen Teil wegen der immer noch ungelösten Schuldenkrise in Europa.

Insofern ist es plausibel, wenn sich nun Politiker und Ökonomen Gedanken um Euro-Bonds machen. Zwar sind noch jede Menge Fragen offen und verdeckt das Schlagwort Euro-Bonds, dass ziemlich viele verschiedene Modelle vorstellbar sind. Zwar wollen Merkel und Sarkozy bei ihrem Treffen in Paris nicht über dieses Thema reden. Aber dennoch sind die Euro-Bonds das Tuschelthema des Treffens. Und in der Tat gibt es in der gefährlichen aktuellen Situation fünf gute Gründe, die für sie sprechen.

[] Erstens ist das inhaltlich eine dauerhafte Entscheidung - und eine, mit der sich die Politik von den Märkten unabhängiger machen würde. Die unzähligen Krisentreffen und Krisentelefonate, die Hilfspakete für Griechenland, die Rettungsmechanismen für Portugal und Irland und die anderen angeschlagenen Staaten der Eurozone, die bald ein Sanierungsfall werden könnten, haben das nicht vermocht.

Mit der Einführung von Euro-Bonds wären Griechenland und alle anderen Krisenstaaten aus der Schusslinie, niemand müsste sich mehr Gedanken um eine Zahlungsunfähigkeit eines Eurolandes machen.

[] Zweitens sind die Folgen für Deutschland nicht so gravierend, wie es die Skeptiker gerade darstellen. Das Wort sei nur eine Übersetzung für "Wir zahlen für die Schulden der anderen", spottet die Bild-Zeitung. Doch das ist keineswegs zwingend der Fall.

Euro-Bonds bedeuten zunächst einmal nichts anderes als eine neue, dafür gemeinsame Bewertung der europäischen Kreditwürdigkeit. Die Zinsen auf Staatsanleihen der Krisenstaaten sind aktuell so hoch, weil sich in ihnen die Gefahr eines Staatsbankrotts ausdrückt. Doch diese Gefahr würde es bei Euro-Bonds nicht mehr geben, weil ja nun alle Eurostaaten für alle anderen Eurostaaten haften würden.

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