Rettungspakete in der Schuldenkrise:440 Milliarden, 620 Milliarden, ...

293 Milliarden Euro flossen bislang für die Rettung des Euro. 59 Milliarden Euro gingen an die Rettungsschirm-Flüchtlinge Portugal und Irland sowie 65 Milliarden Euro an Griechenland für das erste Hilfspaket. Dazu kommen Aktivitäten der EZB, die bis Stand an diesem Montag in einem Umfang von 169 Milliarden Euro Staatsanleihen kriselnder Mitglieder der Währungsunion aufkaufte.

440 Milliarden Euro tauchen in der Rettungsdebatte gleich doppelt auf. Erstens betrug im Mai 2010 bei der Installierung der EFSF deren Gesamthöhe 440 Milliarden Euro. Allerdings wäre es mit Blick auf das Urteil der Ratingagenturen nicht möglich gewesen, die komplette Summe auch wirklich auszuzahlen; die effektive einsetzbare Hilfskraft betrug lediglich rund 240 Milliarden Euro. Und weil diese Summe wiederum zu klein schien, um die Währung zu retten, erhöhten die Euro-Länder in den vergangenen Wochen die effektive Hilfskraft auf 440 Milliarden Euro und die Gesamtsumme auf 779 Milliarden Euro. Allerdings sind mehr als die Hälfte dieser Milliarden schon verplant, nämlich für Portugal, Irland und das zweite griechische Hilfspaket.

620 Milliarden Euro an abrufbarem Kapital soll der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) bereitstellen. Gemäß den Planungen der Politik löst dieser ESM den derzeitigen Rettungsschirm im Jahr 2013 ab - so beschloss sie es vor drei Monaten. Ob angesichts der jüngsten Diskussionen um Kapitalvermehrung ("Hebel") diese Summe bis dahin Bestand hat, scheint allerdings mehr als zweifelhaft zu sein.

750 Milliarden Euro umfasste der im Mai 2010 beschlossene Euro-Rettungsschirm, den drei Institutionen finanzieren. Erstens die EFSF (440 Milliarden Euro), zweitens der IWF (250 Milliarden Euro) und drittens direkt der Haushalt der Europäischen Union (60 Milliarden Euro). Diese Zahl spielte zuletzt kaum noch eine Rolle, allein der Beitrag der EFSF ist mittlerweile höher als die damals insgesamt veranschlagte Summe.

779 Milliarden Euro beträgt nun die Gesamthöhe der in den vergangenen Wochen von allen EuroStaaten ratifizierten EFSF.

1000 Milliarden Euro an effektiver Hilfskraft benötigt die EFSF Schätzungen zufolge, um die Krise tatsächlich in den Griff zu bekommen - mindestens. Auch noch größere Summen auf der nach oben offenen Rettungsskala waren schon zu hören. Mit welchem finanzpolitischen Trick sich nun die in der EFSF verbliebenen Milliarden vervielfachen lassen, das wollen die führenden EU-Politiker an diesem Mittwoch beschließen.

© SZ vom 25.10.2011/aum
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