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Eurohypo:Eine Bank verschwindet

Die Eurohypo ist für die Commerzbank zu einem Milliardengrab geworden. Fast genau zehn Jahre nach ihrer Gründung ist die Tochter nun am Ende: Sie wird zerschlagen. Die Aktie legte zu, doch es gibt auch viele Verlierer.

Als Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller im Jahr 2005 den Immobilien- und Staatsfinanzierer Eurohypo kaufte, wurde er dafür gefeiert. Er selbst sprach damals von einem "Quantensprung", viele Beobachter hielten es für einen genialen Schachzug: Die schon damals schwächelnde Commerzbank, die immer wieder als Übernahmekandidat gegolten hatte, wurde mit der Eurohypo so groß, dass sie für andere Banken nicht mehr zu schlucken war. Und Klaus-Peter Müller wurde so vom Getriebenen zum Treiber.

Martin Blessing

Die Eurohypo wird abgewickelt: Der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank, Martin Blessing, auf der Jahrespressekonferenz Ende Februar.

(Foto: AP)

Nur ganz vereinzelt warnten Experten vor den Risiken der Eurohypo. Sie sollten Recht behalten, wie die Jahre danach zeigten. Die Eurohypo wurde für die Commerzbank zum Milliardengrab. Der Immobilien- und Staatsfinanzierer war von der Finanzkrise nach 2007 gleich doppelt betroffen: Erst vom Zusammenbruch der Immobilienpreise, dann von Einbruch der Staatsanleihen in der europäischen Schuldenkrise. Am Ende bedeutete sie für die Commerzbank einen großen Sprung ins Unglück.

An diesem Freitag beendete die EU das unselige Kapitel in der deutschen Bankengeschichte: Die Commerzbank bekam von ihr die Erlaubnis, ihre Tochter weitgehend abzuwickeln und kleine Teile davon in den eigenen Konzern zu integrieren. Damit geht nach der WestLB, die ebenfalls auf Geheiß der EU zerschlagen wird, das zweite deutsche Kreditinstitut nach der Finanzkrise. "Die neue Vereinbarung stellt sicher, dass die Eurohypo vom Markt verschwindet", stellten die Brüsseler Wettbewerbshüter trocken fest.

Vorausgegangen waren monatelange Verhandlungen zwischen EU-Binnenmarktkommissar Joaquin Almunia und Commerzbank-Chef Martin Blessing. Denn eigentlich sollte die Bank ihre Immobilientochter verkaufen. Das war eine Auflage der Wettbewerbshüter dafür, dass sie die Staatshilfe von 18,2 Milliarden Euro für die Commerzbank im Jahr 2008 genehmigten.

In den Jahren danach aber zeigte sich immer deutlicher, dass die Eurohypo unverkäuflich ist. Wer interessiert sich schon für ein Institut, das Jahr für Jahr Hunderte Millionen Euro Verlust macht und in dem immer noch Risiken in Milliardenhöhe schlummern? Daher bat Blessing die EU, einer Zerschlagung zuzustimmen. Almunia tat dies nun, fordert zum Ausgleich aber neue Auflagen. Sie laufen darauf hinaus, dass die Bank ihr Geschäft in den nächsten Jahren nur auf kleiner Flamme kochen darf, "um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden", wie es in Brüssel heißt. So darf das Institut bis März 2014 keine anderen Firmen übernehmen.

Ursprünglich hätte diese Vorschrift schon im Sommer dieses Jahres auslaufen sollen. Außerdem muss die Commerzbank ihre Bilanzsumme von zuletzt 662 Milliarden bis Ende 2012 auf 600 Milliarden Euro verringern. "Die angepassten Auflagen der EU sind anspruchsvoll, aber akzeptabel", sagte Blessing. Konkret sieht die Zerschlagung so aus, dass ein Großteil des Geschäfts in eine neue Einheit mit dem Namen "Non Core Assets" ("Nicht-Kernaktivitäten") ausgegliedert wird. Ihr Ziel ist es, die Geschäfte abzuwickeln und sich auf lange Sicht selbst überflüssig zu machen. In der Einheit landen alle Staatsanleihen, die die Eurohypo noch in ihren Büchern hat, etwa 70 Milliarden Euro. Die Papiere sollen entweder auslaufen oder auch mit Verlust verkauft werden, etwa die Anleihen europäischer Schuldenstaaten. In die Non-Core-Einheit kommen zudem alle Immobilienkredite, die die Commerzbank nicht mehr zu ihrem Kerngeschäft zählt. Das sind alle Länder außer Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Polen. Das Immobiliengeschäft in diesen Ländern dagegen wird in die Bank integriert. Es darf 25 Milliarden Euro nicht übersteigen. Damit bleibt vom Geschäft der einstigen Eurohypo auf lange Sicht nur noch rund ein Zehntel übrig.

Fast genau zehn Jahre nach ihrer Gründung ist die Eurohypo damit am Ende. Sie war 2002 aus den Immobilientöchtern von Deutscher Bank, Dresdner Bank und Commerzbank entstanden. 2004 wurde schon der Börsengang vorbereitet. Die drei Großbanken wollten ihre Anteile auf den Aktienmarkt bringen - bis Commerzbank-Chef Müller die Idee hatte, die Eurohypo allein zu übernehmen.

Auffällig ist der Unterschied in der Strategie: Während die Deutsche Bank aus dem riskanten Geschäft ausstieg, stieg die Commerzbank voll ein - ein Grund, warum beide heute so unterschiedlich dastehen.

Blessing kann das traurige Kapitel nun abschließen. Die Aktie legte um mehr als drei Prozent zu. Analysten sahen die Eurohypo stets als "Klotz am Bein" der Mutter. Ihre ungewisse Zukunft galt als Hauptgrund für die schlechte Entwicklung des Papiers. Für die Commerzbank ist die Einigung mit der EU ein wichtiger Schritt bei den Aufräumarbeiten nach der Finanzkrise. Für die Mitarbeiter der Eurohypo aber wird die Zerschlagung bittere Konsequenzen haben. Von den 1200 Stellen dürften 300 schnell wegfallen, später könnten noch mehrere hundert Jobs abgebaut werden, hieß es in Finanzkreisen. "Für die Mitarbeiter ist die Entscheidung natürlich hart", sagte Vorstand Jochen Klösges in einem Interview, das im Intranet der Bank veröffentlicht wurden. Man wolle den Stellenbau aber "mit Augenmaß und so sozialverträglich wie möglich umsetzen".