bedeckt München

Eurohypo:Commerzbank will größer werden

Die Frankfurter Großbank plant, die Immobilienbank Eurohypo komplett zu übernehmen und damit zur zweitgrößten deutschen Bank aufsteigen.

Das teilte die Commerzbank am Dienstag mit.

Der Preis soll laut Kreisen unter 20 Euro je Aktie liegen. Damit würde Deutschlands größter Immobilienfinanzierer mit rund 7 Milliarden Euro bewertet. "Wir fühlen uns nun stark genug, eine Transaktion dieser Größenordnung angehen zu können", sagte Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller.

"Wir würden dadurch zur führenden Geschäftsbank innerhalb Deutschlands mit Schwerpunkt Finanzierungen aufsteigen." Von Übernahme erhofft sich die Commerzbank eine weitere Verbesserung der Eigenkapitalrentabilität und des Gewinns je Aktie.

Es eröffneten sich neue Marktchancen, weil die Eurohypo in den Jahren ihres Bestehens seit 2002 ihre Erträge deutlich gesteigert habe, sagte Müller. "Davon sollten die Commerzbank und ihre Aktionäre in Form steigender und noch stabilerer Erträge profitieren."

Die Coba-Aktien verloren nach Bekanntgabe der Übernahme-Pläne zunächst mehr als anderthalb Prozent. Die Eurohypo-Papiere gaben ebenfalls nach.

Einigung in wesentlichen Punkten

Die Commerzbank hatte am Morgen mitgeteilt, dass sie in fortgeschrittenen Verhandlungen mit der Deutschen Bank und der Dresdner Bank über den Kauf von deren Beteiligungen an der Eurohypo steht.

Die Commerzbank bestätigte damit einen Bericht von dpa-AFX über ihr Interesse an der Eurohypo-Übernahme. In allen wesentlichen Punkten sei eine Einigung erzielt worden, hieß es in der Mitteilung. Auch Dresdner Bank und Deutsche Bank bestätigten Verhandlungen. Nach einer Einigung müssen der Transaktion noch die Aufsichträte, das Kartellamt und die Finanzaufsicht BaFin zustimmen.

Die Deutsche Bank hält derzeit 37,7 Prozent und die zur Allianz gehörende Dresdner Bank 28,5 Prozent an der Eurohypo.

Zusammen mit den 31,84 Prozent, die bereits im Besitz der Commerzbank sind, würde die bislang viertgrößte deutsche Bank nach einer Übernahme mehr als 98 Prozent an der Eurohypo kontrollieren. Nur rund zwei Prozent der Anteile an der Immobilienbank sind in Streubesitz.

Zum Preis oder weiteren Zeitablauf wollten sich die Beteiligten nicht äußern. Am Markt wird aber mit einem schnellen Abschluss gerechnet.

Maßnahmenpaket für mehrere Milliarden Euro

Bei einer Bewertung der Eurohypo von rund sieben Milliarden Euro müsste die Commerzbank für den Kauf der Anteile folglich mindestens vier Milliarden Euro auf den Tisch legen.

"Zur Finanzierung plant die Bank ein Paket an Maßnahmen, mit dem eine zufriedenstellende Kapitalquote gesichert werden soll", teilte die Commerzbank mit. Die derzeitige Kapitalquote von 6,7 Prozent bezeichnete ein Coba-Sprecher als "komfortabel".

Ratingagenturen sehen beim Absinken der Kapitalquote deutlich unter 7 Prozent Probleme für das Rating. Dies solle nicht gefährdet werden, sagte der Sprecher.

Spekulationen, wonach auch eine Kapitalerhöhung zu den Finanzierungsmaßnahmen gehört, wollte ein Commerzbank-Sprecher nicht kommentieren. Ein Verkauf des zehnprozentigen Anteils am Anlagenbauer und Gasspezialist Linde, über den am Markt ebenfalls spekuliert wird, sei derzeit kein Thema, stellte der Sprecher klar.

Der beschleunigte Verkauf der 2,9-prozentigen Beteiligung an der italienischen Banca Intesa stehe dagegen selbstverständlich im Zusammenhang mit der Eurohypo-Übernahme. Der Transaktionswert des Verkaufs liegt bei rund 800 Millionen Euro.

Eurohypo hält sich bedeckt

Dem Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate war zunächst ebenfalls Interesse an Eurohypo nachgesagt worden. Kreisen zufolge ist dies mit dem Gebot der Commerzbank aber hinfällig. Ein HRE-Angebot für den Allianz-Anteil an der Eurohypo hätte diese allerdings als feindliche Übernahme eingestuft. Zu dem Commerzbank-Angebot wollte sich die Eurohypo zunächst nicht äußern und verwies auf eine Pressemitteilung im Laufe des Tages.

Eurohypo-Chef Bernd Knobloch hatte am Montag am Rande einer Finanzveranstaltung im Zusammenhang mit einem möglichen HRE-Angebot aber gesagt, die Bank strebe weiter einen Börsengang an. Ursprünglich sollten in diesem Herbst weitere Anteile an der Eurohypo am Kapitalmarkt platziert werden, dies wurde von den Großaktionären gestoppt.

Entgegen des ersten Markttrends äußerten sich Händler und Analysten positiv zu der geplanten Übernahme. Das Geschäft generiere stabile Erträge. Die Commerzbank kenne den Immobilienfinanzierer bestens, damit reduzierten sich die Risiken. Es ließen sich Synergieeffekte realisieren, schrieben LRP-Analysten.