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Eurofighter-Geschäft mit Österreich:EADS unter Spionageverdacht

EADS - Eurofighter

Ein Handout von EADS zeigt ein Kampfflugzeug vom Typ Eurofighter Typhoon. Beim Verkauf von Kampfflugzeugen an Österreich im vergangenen Jahrzehnt soll Wirtschaftsspionage im Spiel gewesen sein.

(Foto: dpa)

Scheinrechnungen, Briefkastenfirmen, Schmiergelder: Ein Geschäft zwischen EADS und Österreich über 15 Eurofighter ist seit langem umstritten. Nun gibt es Hinweise, dass EADS dem Deal sogar mit Wirtschaftsspionage nachgeholfen haben könnte.

In der Affäre um den Verkauf von 15 Eurofightern nach Österreich sind Hinweise aufgetaucht, wonach bei dem umstrittenen 1,7-Milliarden-Euro-Geschäft womöglich Wirtschaftsspionage im Spiel war.

Bislang war in der Affäre vor allem die Rede von Schmiergeldzahlungen gewesen. Staatsanwälte in Deutschland und Österreich gehen dem Verdacht nach, der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS (der inzwischen Airbus heißt) habe bei dem Verkauf von 15 Typhoon-Eurofightern an die Regierung in Wien kräftig nachgeholfen - mit Schmiergeld, unter Einsatz von Briefkastenfirmen und mit Scheinrechnungen. Dabei soll es um mehr als 100 Millionen Euro gehen.

Nun berichtet das Nachrichtenmagazin Der Spiegel, dass EADS im Vorfeld des Österreich-Geschäfts im Jahr 2002 möglicherweise Einblick in Angebotsunterlagen des wichtigsten Konkurrenzunternehmens hatte.

Einem streng vertraulichen Bericht der Anwaltskanzlei Clifford Chance zufolge war ein inzwischen pensionierter Mitarbeiter der Innenrevision im Jahr 2007 bei EADS in Ottobrunn auf "10 bis 15 Leitz-Ordner" gestoßen, die offenbar Angebotsunterlagen des schwedischen Militärjet-Herstellers Saab enthielten.

Die Schweden waren seinerzeit die härtesten Konkurrenten bei dem Österreich-Deal. Der Revisor will damals einen leitenden EADS-Manager über seinen Fund informiert haben. Nach dem Wochenende seien die Akten jedoch nicht mehr an ihrem Platz gewesen, erzählte der frühere EADS-Revisor den Clifford-Anwälten. Der EADS-Manager erinnert sich anders. Demnach habe es sich nur um "einige Papiere" gehandelt, die ein dritter, bei dem Gespräch anwesender Kollege "mit nach Hause" genommen habe.

In einer späteren Unterredung mit den Clifford-Chance-Ermittlern erklärte der Manager, es habe sich bei den Saab-Unterlagen lediglich um Angebote für Gegengeschäfte mit Österreich gehandelt. Die Papiere sind seither verschollen. EADS wollte den Vorgang mit Blick auf laufende Ermittlungen in dem Fall nicht kommentieren.