Euro-ZoneWeniger Wachstum

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Brüssel senkt die Prognose für die Euro-Zone von 1,9 auf 1,3 Prozent. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag ist noch pessimistischer.

Von Alexander Mühlauer und  Jan Willeken, Brüssel/Berlin

Die EU-Kommission rechnet mit einem deutlich schwächeren Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone. Das Bruttoinlandsprodukt werde in diesem Jahr um 1,3 Prozent steigen; im Herbst war die Brüsseler Behörde noch von 1,9 Prozent ausgegangen. Hauptgrund für die Korrektur seien die negativen Erwartungen in Italien, Deutschland und Frankreich. Diese resultierten vor allem aus den weltweiten Handelsspannungen und der konjunkturellen Abkühlung in China, sagte Kommissionsvizepräsident Valdis Dombrovskis am Donnerstag in Brüssel. Dennoch sei es erfreulich, dass "sämtliche EU-Staaten weiterhin wachsen, das bedeutet mehr Jobs und Wohlstand". Die Prognose sei allerdings auch wegen eines drohenden chaotischen Brexit mit erheblichen Unsicherheiten behaftet, erklärte Dombrovskis.

Der EU-Kommissar kritisierte vor allem die italienische Regierung für ihre Haushaltspolitik: "Wir sehen in Italien, dass politische Unsicherheiten ihren Tribut gefordert haben." Brüssel erwartet im Jahr 2019 ein Wirtschaftswachstum von nurmehr 0,2 Prozent; im Herbst war sie noch von 1,2 Prozent ausgegangen. "Was Italien braucht, sind umfassende Strukturreformen und entschlossenes Handeln, um den hohen öffentlichen Schuldenstand zu senken", sagte Dombrovskis. Für Frankreich sagt die EU-Kommission für dieses Jahr ein Wachstum von 1,3 Prozent voraus, im Herbst waren es noch 1,6 Prozent. Bei Deutschland verwies die Kommission auf eine "Verlangsamung der Autoproduktion". Für dieses Jahr erwartet Brüssel nur noch 1,1 Prozent Wirtschaftswachstum anstatt wie zuvor 1,8 Prozent.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sieht die nahe wirtschaftliche Zukunft noch pessimistischer. Er korrigierte seine Prognosen für 2019 am Donnerstag in Berlin auf 0,9 Prozent deutlich nach unten - im Herbst war er noch von 1,7 Prozent ausgegangen. Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben nannte als Grund die wirtschaftspolitische Unsicherheit. "Aus Sicht der Unternehmen ist bislang trotz des langen Aufschwungs ein politischer Aufbruch in wichtigen Zukunftsfragen nicht geglückt." Handelsstreits und Fachkräftemangel machten besonders der Industrie zu schaffen. Sollte der Brexit chaotisch verlaufen, könne das Wachstum sogar noch weiter sinken. Zudem hätten die Unternehmen mit hohen Stromkosten und Steuern zu kämpfen.

Eine Krise befürchtet der DIHK dennoch nicht. "Wir kommen jetzt wieder in der Normalität an", sagte Wansleben. Positiv sei auch, dass die Zahl der Erwerbstätigen im laufenden Jahr um etwa 430 000 wachsen solle - obwohl sich Unternehmen mehr um hohe Arbeitskosten sorgten als je zuvor. Gleichwohl erwartet der DIHK von der Politik konkrete Veränderungen, um auf die aktuelle Lage zu reagieren. Steuern für Unternehmen müssten gesenkt werden und das Steuersystem vereinfacht, sagte Wansleben. Außerdem forderte er den Ausbau von Energie- und Glasfasernetz sowie 5G-Mobilfunk auch auf dem Land. Der DIHK befragt für seine Prognose etwa 27 000 Unternehmen.

© SZ vom 08.02.2019 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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