Euro-Krise trifft heimische Wirtschaft:Wer kann, flüchtet

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Ludwigsburg in der ersten Wochenhälfte: Wie in jedem Frühjahr sitzen hier die Großen der Autobranche auf dem Automobilforum. Die allgemeine Stimmung diesmal: bestenfalls gemischt. Man weiß nicht mehr, was man von all dem halten soll, vom Chaos in Athen, von François Hollande, von Spanien. Ein großer Teil Europas fällt bereits als Autokäufer aus, die Ausfuhren in die Euro-Länder sinken. Noch können die deutschen Hersteller von Luxusautos in Asien und in den USA die Misere ausgleichen, nur: Wie lange geht das gut?

"Das Menschenwachstum zeigt schon heute, wo in Zukunft die Musik spielen wird", sagt Deutsche-Bank-Analyst Eric Heymann. Der Schwerpunkt werde da liegen, wo das Wachstum am größten ist, in Entwicklungs- und Schwellenländern. Schlecht für diejenigen, die fast nur Europa haben. Schlecht für Fiat, Opel, Renault, Peugeot Citroën.

Wer kann, flüchtet. Die großen deutschen Autobauer sind längst unterwegs. Sie gehen nach China oder Indien. Dort entstehen ihre neuen Werke. Zurück bleiben viele kleine Zulieferer, die nicht wie Bosch oder Schaeffler mitgehen können. Insider berichten, wie sich die Szene verändert. Man werde sich "in den nächsten zwei Jahren weiter durchkämpfen" müssen, sagt ein Auto-Experte. Das klingt nicht gerade so, als würde der Autoindustrie eine kommode Zeit bevorstehen.

Auch der Einzelhandel zeigt sich pessimistisch. Textil- und Schuhläden spüren den Rückgang. Generell seien die Wachstumserwartungen vieler Firmen "etwas gedämpfter als im Vorjahr", findet Max Falckenberg, Unternehmensberater bei Roland Berger. Und: der Rückgang der Exporte in Europa mache Sorgen. Vier von fünf Firmen gehen davon aus, dass der Höhepunkt der europäischen Staatsschuldenkrise noch bevorstehe.

Angesichts der neuen Unsicherheit verzichtet etwa Commerzbank-Chef Martin Blessing auf eine Gewinnprognose für 2012. Sein Institut sieht Deutschland "zunehmend in den Sog der Staatsschuldenkrise geraten". Sogar die werden nervös, die auf der Seite der Gewinner stehen, zum Beispiel BMW-Chef Norbert Reithofer. Er verkauft mehr als die Hälfte seiner Autos immer noch in Europa - und fordert nun eine "weitsichtige Politik, die eine vernünftige Balance zwischen Sparen und Wachstum findet". BMW hat ein Euro-Ausscheiden Griechenlands schon durchgespielt. Der Handelskonzern Metro beschrieb intern sogar das Scheitern der Gemeinschaftswährung.

Nichts soll die Manager überraschen, wenn es nach unten geht. Und genau das erwarten die meisten.

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