Euro-Krise:2. Mythos: Die Griechenland-Krise kostet Deutschland viele Milliarden

Als die Finanzmärkte Athen fallen ließen, brach Panik aus. Viele Anleger wussten nicht, wo ihr Geld noch sicher war. Große Vermögensverwalter wie Banken, Versicherungen und Rentenkassen sind aber darauf angewiesen, riesige Summen sicher anzulegen. In der Krise waren das vor allem Staatsanleihen aus Deutschland. Wer diese Papiere kauft, wird Kreditgeber der Bundesrepublik.

Und Deutschland hat den Ruf, nicht pleitegehen zu können. So sind Bundesanleihen seit ein paar Jahren äußert begehrt. Weil so viele Großinvestoren Deutschland einen Kredit geben wollten, sanken die Zinsen für den Bund. Manche Anleihen haben sogar negative Renditen. Das heißt: Investoren zahlen Geld, statt Zinsen zu bekommen, um deutsche Anleihen zu halten.

Wie groß ist dieser Vorteil? Der Ökonom Jens Boysen-Hogrefe vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel hat das ausgerechnet. Zum Vergleich legt er die Zinsen an, die Deutschland in den Jahren 1999 bis 2008 zahlen musste. Demnach hat der Bund seit Beginn der Krise bis 2014 rund 60 Milliarden Euro an Zinsen gespart. Und weil die Kredite oft erst in vielen Jahren zurückgezahlt werden müssen, hält der Effekt noch lange an. Durch bereits ausgegebene Anleihen spart Deutschland bis 2030 insgesamt etwa 160 Milliarden Euro.

Deutschland zahlt in der Griechenland-Krise nicht drauf, das Gegenteil ist richtig: Deutschland profitiert. Wenn die Krise nicht mehr so akut ist, wollen die Anleger auch wieder mehr Zinsen von Deutschland. Ökonom Boysen-Hogrefe rechnet damit, dass ab 2017 bis 2020 wahrscheinlich die Zinsen wieder steigen. Dann ist die Zeit des billigen Gelds für die Bundesregierung vorbei.

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