Euro Ersparnisse in Milliardenhöhe

Die Finanzminister haben von der lockeren Geldpolitik der EZB viel profitiert.

Von Markus Zydra, Frankfurt

Das Lamento in Deutschland ist laut über die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank. Doch während Sparer sich zurecht beklagen, können Menschen, die eine Immobilie kaufen möchten, von den günstigen Zinsen profitieren. Es ergibt sich also ein gemischtes Bild. Ziemlich eindeutig ist jedoch die Wirkung der niedrigen Leitzinsen auf die Finanzierung der Staatsschulden in der Eurozone. Alle Mitglieder der Währungsunion haben in den Jahren zwischen 2008 und 2018 viel Geld gespart, so die Berechnungen der Bundesbank. Die gesamte Eurozone hat demnach seit der Finanzkrise 1,4 Billionen Euro weniger für Zinszahlungen ausgegeben. Der deutsche Staat hat rund 368 Milliarden Euro eingespart. Bei den einzelnen Ländern kommt Frankreich nach Deutschland an zweiter Stelle mit zusammengenommen 350 Milliarden Euro seit 2008, gefolgt von Italien mit 261 Milliarden Euro (siehe Grafik).

Die Bundesbank musste für ihre Berechnung eine Annahme dazu treffen, wie sich die Zinsen ohne Ausbruch der Finanzkrise verändert hätten. Die Experten verglichen also die tatsächlich angefallenen Zinsausgaben der Eurostaaten mit hypothetischen Werten, die sich bei einer gegenüber dem Jahr 2007 unveränderten Durchschnittsverzinsung ergeben hätten. "Die Ersparnisse fallen dabei umso größer aus, je stärker die Emissionsrenditen gesunken sind, je umfangreicher die bestehende Verschuldung in niedriger verzinste Papiere umgeschichtet worden ist und je höher der zugrunde liegende Schuldenstand ist", so die Bundesbank.Deutschland liegt in absoluten Zahlen also bei den Profiteuren ganz vorn. Das ist eine Folge der Schuldenstruktur des Landes und insofern nicht überraschend. Ein anderes Bild ergibt sich aber, wenn man die Einsparungen zu der Gesamtbevölkerung in Relation setzt. Auf den einzelnen Bürger runtergerechnet hat der französische Steuerzahler zwischen 2008 und 2018 insgesamt rund 5300 Euro aufgrund der Nullzinspolitik "gespart", die deutschen Bürger 4500 Euro und jeder Italiener 4300 Euro.

Die EZB hält ihren wichtigsten Leitzins schon seit Jahren auf dem historischen Tiefstand von null Prozent. Banken müssen für ihre Überschüsse sogar einen Strafzins von 0,4 Prozent bezahlen. Darüber hinaus sorgte das jahrelange Anleihekaufprogramm der Notenbank in Höhe von 2,6 Billionen Euro dafür, dass die langfristigen Zinssätze für Staatsanleihen niedrig geblieben sind. Diese Nullzinspolitik wird wohl noch länger andauern.