EU-Ratsvorsitz für Irland Alles andere als Barrikadenstürmer

Erstaunlicherweise hat Europa bislang auch kaum zur Kenntnis genommen, dass Irland von den Hilfsgeldern in Höhe insgesamt 85 Milliarden Euro immerhin 17,5 Milliarden aus seiner staatlichen Pensionskasse beisteuerte. Die Regierung schlug einen brutalen Sanierungskurs ein: Sie kürzte Sozialleistungen ebenso wie Ausgaben für Schule und Bildung. Und Dublin muss weiter eisern sparen, um bis 2015 die Neuverschuldung auf die erlaubte EU-Höchstgrenze von drei Prozent zu drücken.

Im Gegensatz zu den Straßenschlachten in Griechenland und Spanien, nahm allerdings bislang eine Mehrheit der Iren die rigide "Austerity"-Politik ziemlich stoisch hin. Gewerkschaften muckten zwar auf. Doch die Insulaner sind alles andere als Barrikadenstürmer. Anstatt zu meckern, fingen die Iren mit dem Sparen auch bei sich selbst an.

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Für junge Designer und Softwareentwickler in den Dublin Dockyards ist es keine persönliche Katastrophe, nun ein Viertel weniger zu verdienen als vor der Krise. Arbeitslose Banker öffnen einen Pizza-Service. Überall auf der Insel ist der Ehrgeiz zu spüren, sich nicht unterkriegen zu lassen.

Das einstige Wirtschaftswunderland muss sich neu erfinden

Die Sparanstrengungen haben Irland in den Kreis der respektierten Euro-Mitglieder zurückgebracht. Nun geht es allerdings um die längerfristige ökonomische Perspektive. Das einstige Wirtschaftswunderland, das in den 90er Jahren aus Kartoffeläckern Immobiliengold machte und der heimischen Bauindustrie und Kreditwirtschaft Traumrenditen bescherte, muss sich neu erfinden.

Auf der Haben-Seite steht dabei vor allem die Exportindustrie. Neben der Pharmaindustrie ist es die Technologiebranche mit Google, Intel und SAP, die auf der Insel die dringend benötigten Jobs schaffen. Schon wird allerdings in Brüssel der Zeigefinger wegen der niedrigen Unternehmensteuern in Irland erhoben. Doch ist dies nicht Ausdruck einer übertrieben Regelungswut?

Ohnehin muss Euroland in Zukunft noch mehr mit unterschiedlichen Wachstumsmodellen leben lernen, gerade wenn die Finanz- und Budgetpolitik stärker koordiniert wird. Da eine Anpassung über eine Währungsabwertung ohnehin nicht mehr möglich ist, bleibt die Steuerpolitik als eine Stellschraube. Dies nutzen die Iren. Man sollte es ihnen gönnen.

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