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Brexit:Wie sich der Brexit mit ein wenig Geld verhindern ließe

Brexit-Debatte in Großbritannien

"Wenn die Briten das Gefühl haben, wegen der EU mehr in der eigenen Tasche zu haben, stimmen sie eher für Europa", sagt ein EU-Diplomat.

(Foto: dpa)

"Wenn die Briten das Gefühl haben, wegen der EU mehr in der eigenen Tasche zu haben, stimmen sie eher für Europa", sagt ein EU-Diplomat. Das hat schließlich schon einmal funktioniert.

Von Alexander Mühlauer

Es ist nicht so, dass die meisten Briten eine besonders romantische Vorstellung von der Europäischen Union hätten. Bereits 1975, als das Vereinigte Königreich erstmals über den Verbleib in der Gemeinschaft abstimmte, war die Debatte nicht von der Vision eines vereinten Europas geprägt, sondern von ökonomischen Fakten. Damals darbte Großbritannien wirtschaftlich; es wollte weniger in die Gemeinschaftskasse zahlen, aber weiter teilhaben an den EU-Förderprogrammen.

Nun, im Jahr 2016, wächst das Land stärker, als es die meisten anderen Mitgliedstaaten auf dem Kontinent tun. Aber auch diesmal gibt es in Brüssel die Hoffnung, dass es den Briten beim Referendum am Ende besonders auf einen Faktor ankommt: auf das Geld, auf ihr Geld.

"Wenn die Briten das Gefühl haben, wegen der EU mehr in der eigenen Tasche zu haben, stimmen sie eher für Europa", sagt ein EU-Diplomat. So ist es wenig verwunderlich, dass man in Brüssel darauf bedacht ist, die ökonomischen Vorzüge der Unionsmitgliedschaft zu preisen. Schon aus eigenem Interesse. Denn auch die anderen EU-Staaten hätten viel zu verlieren, wenn Großbritannien austreten würde.

Ein Experiment wie den möglichen Brexit hat es so noch nie gegeben

London hat allein im Jahr 2014 (aktuellere Zahlen haben die Statistiker noch nicht vorgelegt) mehr als elf Milliarden Euro in den EU-Haushalt überwiesen. Das Vereinigte Königreich ist nach Deutschland, Frankreich und Italien der größte Nettozahler. Doch was passiert mit dem Geld, sollte das Land die EU verlassen? Stoppt London sofort die Zahlungen? Und was geschieht mit den bereits von der EU verplanten Summen?

Eine eindeutige Antwort darauf hat in Brüssel niemand. Denn ein Austritt eines der wichtigsten Mitgliedsländer wäre ja auch ein gewagtes finanzielles Experiment, das es so noch nie gegeben hat. Fragt man EU-Diplomaten und Beamte, verweisen sie stets darauf, dass so ein Ausscheiden einen jahrelangen Verhandlungsprozess nach sich ziehen würde. "Es wird für Großbritannien keinen kostenlosen Austritt geben", sagt ein EU-Diplomat. Und das, glauben viele, sei das Argument, was noch immer am besten verfange.

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