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EU-Konferenz zur Arbeitslosigkeit:Jugend ohne Zukunft

  • Was hilft gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Europa? Darüber beraten an diesem Mittwoch die EU-Staaten in Mailand.
  • Italien lädt zu der Konferenz - mithin ein EU-Staat, der besonders von Jugendarbeitslosigkeit betroffen ist und entsprechende Reformen plant.
  • Zur Konferenz die wichtigsten Punkte im Überblick.

Wo ist die Jugendarbeitslosigkeit besonders hoch?

Die Jugendarbeitslosenquote in der EU ist zwar binnen eines Jahres um etwa zwei Prozentpunkte gesunken, allerdings lag die Quote im August 2014 mit 21,6 Prozent noch sehr hoch. Besonders in Spanien sind mit 53,7 Prozent der Arbeitssuchenden viele Menschen unter 25 Jahre ohne Arbeit. Ähnlich hoch liegt die Quote in Griechenland mit 51,5 Prozent (aktuellste Erfassung: Juni 2014). In Italien betragen die entsprechnenden Werte 44,2 Prozent und in Kroatien 43,9 Prozent. Zum Vergleich: Insgesamt liegt die Arbeitslosenquote in den 28 EU-Staaten bei 10,1 Prozent.

Wie sieht es konkret in den Ländern aus?

In Spanien gilt die Rezession als überwunden. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) schätzt, dass die Arbeitslosigkeit im Land bis 2015 stärker zurückgehen wird als in den anderen westlichen Industriestaaten. Trotzdem: Während der Krise gingen in Spanien in sechs Jahren 3,7 Millionen Stellen verloren. Italien ist zuletzt wieder in die Rezession gerutscht. Die OECD hat überdies die Erwartungen für eine Belebung der Konjunktur gedämpft, sie geht für 2015 nicht mehr von 0,4 Prozent, sondern nur noch von einem geringen Wachstum von 0,1 Prozent aus. Die Stellen von etwa zwei Dritteln der Arbeitnehmer gelten als bedroht.

Griechenland spart weiterhin, um im Gegenzug die internationale Hilfen zu erhalten. Allerdings bedeutet dies auch, dass öffentliche Investitionen in Bildung, Gesundheit und Infrastruktur ausbleiben. Viele gut Ausgebildete verlassen das Land. Griechenland hat zudem die höchste Arbeitslosenquote insgesamt. Sie liegt bei 27 Prozent (Juni 2014).

Ist wirklich vor allem die Finanzkrise schuld?

Mit der Krise hat sich die Jugendarbeitslosigkeit in vielen südeuropäischen Ländern deutlich verschärft. In Griechenland etwa lag die entsprechende Rate 2008 noch bei 21,9 Prozent, 2011 schon bei 44,7 Prozent. Doch auch vor der Finanzkrise gab es schon erhebliche Probleme: Ende der neunziger Jahre lag die Quote in Europa bei mehr als 20 Prozent.

Wie will Europa das Problem lösen?

In Italien versucht Ministerpräsident Matteo Renzi den Kündigungsschutz für Teile der Beschäftigten abzubauen. Derzeit sind italienische Angestellte gut gegen Kündigungen abgesichert. Eine Folge davon ist, dass Arbeitgeber kaum mehr junge Leute fest anstellen, sondern nur noch befristet. Renzi provoziert mit seinem Vorschlag allerdings in seiner eigenen Partei, der Partito Democratico, und bei den Gewerkschaften Widerstand. Die EU hat bereits finanzielle Hilfe in Höhe von sechs Milliarden Euro beschlossen, genehmigt sind sie für Frankreich, Italien und Litauen. Sie sollen eingesetzt werden, um arbeitslosen Jugendlichen innerhalb von vier Monaten nach dem Verlust eines Arbeitsplatzes wieder einen Job zu vermitteln, ihnen eine Ausbildung zu ermöglichen oder zumindest einen Praktikumsplatz zur Verfügung zu stellen. Laut EU-Kommission hilft dieses Programm in diesem Jahr 350.000 Betroffenen.

© Süddeutsche.de/dpa/sana/hgn

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