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EU-Kommission:Die Krise hat Europa im Griff

Coronavirus - Spanien

Wenig los in Málaga: Der Konjunkturausblick für Spanien ist verheerend, auch wegen des Einbruchs beim Tourismus.

(Foto: Jesus Merida/dpa)

Auf den dramatischen Absturz folgt wohl keine schnelle Erholung.

Die Corona-Krise wird sich der neuen EU-Prognose zufolge länger hinziehen als gedacht. Nach dem historischen Absturz in diesem Jahr soll die Wirtschaft in der Europäischen Union von 2021 an zwar wieder wachsen - aber eben vergleichsweise langsam. Auch 2022 wird demnach die alte Stärke meist noch nicht wieder erreicht. So wird die Wirtschaftsleistung in den 19 Staaten der Eurozone in diesem Jahr im Durchschnitt um 7,8 Prozent einbrechen, in den 27 Staaten der EU insgesamt um 7,4 Prozent. Für nächstes Jahr werden 4,2 Prozent Wachstum für die Eurozone und 4,1 Prozent für die EU vorausgesagt, für 2022 dann jeweils drei Prozent.

Deutschland kommt nach dieser Prognose mit einem Minus von 5,6 Prozent besser aus dem Jahr 2020 als der Durchschnitt, dafür setzt die Kommission mit 3,5 Prozent im nächsten und 2,6 Prozent im übernächsten Jahr geringere Wachstumsquoten an. Verheerend sind die Zahlen für dieses Jahr in Spanien (minus 12,4 Prozent), Italien (minus 9,9 Prozent) und Frankreich (minus 9,4 Prozent). Teils wird in den Krisenstaaten eine schnellere Erholung angenommen. Hintergrund für beides ist unter anderem die starke Abhängigkeit vom Tourismus.

Nach einem Einbruch um mehr als elf Prozent wegen des Pandemie-Lockdowns im Frühjahr war die Wirtschaft aber im dritten Quartal sowohl in der Eurozone als auch in der EU insgesamt um mehr als zwölf Prozent gewachsen. Nun verwies EU-Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni auf neue Risiken wegen der zweiten Corona-Welle und der neuen Pandemieauflagen. Deshalb fällt die erwartete wirtschaftliche Erholung nächstes Jahr deutlich schwächer aus als erhofft. Im Juli hatte die Kommission für 2021 noch 6,1 Prozent Wachstum für die Eurozone angenommen und 5,8 Prozent für die EU als Ganzes. Nun sei die wirtschaftliche Erholung unterbrochen, und sie bleibe erst einmal unvollständig, sagte Gentiloni.

Vor allem für den europäischen Arbeitsmarkt kommen die Probleme nach dieser Einschätzung noch. Beispiellose Überbrückungs- und Kurzarbeiterhilfen hätten den Anstieg der Arbeitslosigkeit gedämpft, doch werde sie weiter zunehmen: in der Eurozone von 7,5 Prozent 2019 und 8,3 Prozent in diesem Jahr auf bis zu 9,4 Prozent 2021. Für 2022 wird dann immer noch eine Quote von 8,9 Prozent angenommen.

Wegen der enormen Ausgaben im Kampf gegen die Krise wachsen Haushaltsdefizite und Staatsverschuldung rapide. Vor der Pandemie lag die Defizitquote im Durchschnitt der Eurozone 2019 noch bei 0,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Dieses Jahr werden es 8,8 Prozent, nächstes Jahr 6,4 Prozent und 2022 immer noch 4,7 Prozent. Die Verschuldungsquote wächst 2020 nach Gentilonis Worten auf 102 Prozent der Wirtschaftsleistung.

© SZ vom 06.11.2020 / dpa
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