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EU-Kommissar Rehn zur Schuldenkrise:Euro-Staaten müssen mehr für Griechenland zahlen

Der Verzicht privater Gläubiger wird nicht reichen: EU-Kommissar Olli Rehn hält weitere staatliche Hilfen für Griechenland für unausweichlich. "Wir bereiten ein Paket vor, das den Weg für eine nachhaltige Lösung freimacht", sagte Rehn. An den Finanzmärkten herrscht Alarmstimmung: Die Renditen für griechische und portugiesische Staatsanleihen schnellten auf Rekordniveau.

Schuldenschnitt, zwei Rettungspakete und Hilfsfonds sind nicht genug, um die griechische Schuldenkrise unter Kontrolle zu bringen. Für die Rettung des Landes sind laut EU-Finanzkommissar Olli Rehn weitere staatliche Hilfen zwingend nötig. Das bedeutet, dass Euro-Staaten wie Deutschland noch mehr beitragen müssen. Das sagte er der Nachrichtenagentur Reuters am Rande des Weltwirtschaftsforums im Schweizer Davos. Rehns Sprecher bestätigte die Angaben der Süddeutschen Zeitung.

Um wie geplant die Schuldenlast des Euro-Staates bis 2020 von derzeit gut 160 Prozent auf 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu senken, werde der Forderungsverzicht der privaten Gläubiger in Höhe von 50 Prozent nicht ausreichen, sagte Rehn. Diese Lücke müssten die Euro-Staaten und die EU-Institutionen füllen. Wie viel Geld genau fehlte, wollte er nicht sagen.

"Wir bereiten ein Paket vor, das den Weg für eine nachhaltige Lösung freimacht", sagte der Finne. "Es wird dabei wahrscheinlich einen höheren Bedarf an Finanzierung durch den öffentlichen Sektor geben, aber nichts Dramatisches."

Rehn wollte sich auf Anfrage nicht dazu äußern, ob auch die Europäische Zentralbank einen finanziellen Beitrag leisten müsse. Er könne nicht für die EZB sprechen, sagte er. Private Banken, aber auch der Internationale Währungsfonds fordern, dass die EZB auch einen Schuldenschnitt auf die griechischen Anleihen hinnehmen müsse, die sie hält. Die Notenbank gilt als größter Gläubiger des überschuldeten Staates und ist bislang bei dem "freiwilligen" Schuldenverzicht privater Gläubiger außen vor.

Die Verhandlungen der privaten Gläubiger mit Griechenland über einen Schuldenschnitt sollen sich in der Endphase befinden. Der Chefunterhändler des Internationalen Bankenverbandes IIF, Charles Dallara, will am Donnerstagabend in Athen mit dem griechischen Ministerpräsidenten Lukas Papadimos zusammenkommen.

Im Herbst hatten die Banken einem Schuldenschnitt von 50 Prozent zugestimmt. Dabei sollen die kurzfristigen Staatsanleihen, die sie derzeit halten, in längerfristige Papiere umgetauscht werden. Die Finanzinstitute streiten sich allerdings mit Griechenland um den Zinssatz, den das Land auf diese neuen Anleihen zahlen soll. Ein niedriger Zinssatz würde bedeuten, dass Griechenland mehr als 50 Prozent erlassen werden.

Am Finanzmarkt schnellten die Renditen für griechische und portugiesische Staatsanleihen auf neue Höchststände: Eine griechische Anleihe wirft mittlerweile 38 Prozent ab, portugiesische Papiere mehr als 15 Prozent.