Süddeutsche Zeitung

Europäische Union:EU plant Frauenquote in Vorständen und Aufsichtsräten

Börsennotierte Unternehmen in der Europäischen Union sollen in spätestens vier Jahren Frauenquoten in ihren Führungsgremien umsetzen.

Nach jahrelanger Blockade haben sich Unterhändler der EU-Länder und des Europäischen Parlaments auf verbindliche Frauenquoten in der EU für Leitungspositionen börsennotierter Unternehmen geeinigt.

Konkret sollen die Staaten bis 2026 zwischen zwei Modellen wählen können. Entweder sollen mindestens 40 Prozent der Mitglieder von nicht geschäftsführenden Aufsichtsratsmitgliedern Frauen sein, wie die Vizepräsidentin des Europaparlaments, Evelyn Regner (SPÖ), am Dienstagabend mitteilte. Die andere Möglichkeit sehe vor, einen durchschnittlichen Frauenanteil von 33 Prozent für Aufsichtsräte und Vorstände zu erreichen. Wer sich nicht an die Regeln halte, müsse zahlen.

"Nach Schätzungen des Europäischen Instituts für Gleichstellungsfragen sind derzeit nur 30,6 Prozent der Aufsichtsratsmitglieder weiblich und nur 8,5 Prozent der Vorstände in der EU mit Frauen besetzt", so die als Chefverhandlerin beteiligte Sozialdemokratin. Wenn in einem Gremium mehr Frauen als Männer säßen, profitierten auch Männer. Formell müssen EU-Staaten und Europaparlament der Einigung noch zustimmen.

Regierungswechsel in Deutschland machte den Weg für die Quote frei

Maßgeblich für die Lösung war auch der Regierungswechsel in Deutschland. Unter Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) stand Deutschland einer Einigung noch im Weg. Bereits vor rund zehn Jahren hatte die EU-Kommission versucht, verbindliche Regeln einzuführen. Unter der damaligen EU-Justizkommissarin Viviane Reding gab es einen Vorstoß, der auch von der Merkel-Regierung abgelehnt wurde. Damals waren in Deutschland 15,6 Prozent der Aufsichtsräte weiblich.

Das Projekt wurde Anfang des Jahres von EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen wieder auf die Agenda gesetzt. Als die deutsche Regierung seinerzeit das Vorhaben blockiert hatte, war die CDU-Politikerin Arbeitsministerin. In Deutschland gibt es seit 2015 eine Frauenquote für Aufsichtsräte - 30 Prozent für besonders große Unternehmen. Zudem einigte sich die frühere große Koalition aus Union und SPD im vergangenen Jahr auf eine Quote für Vorstände.

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SZ vom 08.06.2022 / dpa/berk/cat
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