Klimaziele:Ein Kilowatt pro Elektroauto

Klimaziele: E-Ladestation in einem Einkaufszentrum.

E-Ladestation in einem Einkaufszentrum.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Die EU-Kommission will das Ladenetz in Europa schnell voranbringen: Per Verordnung sollen Ladepunkte entstehen. Die Kapazität ist dabei gekoppelt an den Absatz von E-Autos.

Von Max Hägler

Die EU-Kommission plant zum schnelleren Erfolg der Elektromobilität offenbar einen direkten Durchgriff auf die Ladeinfrastruktur in den EU-Mitgliedsstaaten. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung soll künftig das Ladenetz eines Landes pro zugelassenem Elektroauto um ein Kilowatt wachsen müssen. Damit wäre sichergestellt, dass die Infrastruktur für die Elektromobilität künftig zumindest einigermaßen Schritt hält mit dem Absatz entsprechender Wagen. Ein mittelmäßiger Ladepunkt bietet derzeit 50 Kilowatt Ladeleistung pro Fahrzeug, wobei die Leistungen von elf bis 350 variieren. Mit zu berücksichtigen ist die Dichte der öffentlichen Ladepunkte: In Deutschland kommen auf eine Steckdose derzeit 17 Wagen, die EU hält höchstens zehn Wagen pro Steckdose für ideal.

Die Kommission legt die Neufassung der sogenannten "Richtlinie über den Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe" (AFID) am kommenden Mittwoch als Teil des "Fit for 55"-Pakets vor. Insgesamt zwölf Gesetze - darunter schärfere Grenzwerte für den Auto-Spritverbrauch und eben ambitionierte Ladenetze - sollen dazu beitragen, den klimaschädlichen Kohlendioxid-Ausstoß in der EU deutlich zu reduzieren.

Und zumindest beim Ladenetz setzt die Kommission nun auf Tempo: Nach SZ-Informationen soll aus der Richtlinie eine Verordnung werden. Das bedeutet, das die Mitgliedsstaaten das nicht mehr verzögern und verwässern können über die nationale Gesetzgebung, weil eine EU-Verordnung unmittelbare Wirkung entfaltet. Dem Entwurf zufolge soll bis 2025 entlang der wichtigsten Schnellstraßen alle 60 Kilometer ein Ladepark für Autos mit mindestens 300 Kilowatt Gesamtleistung entstehen, 2030 soll die Gesamtleistung dann 600 Kilowatt betragen. Dabei muss überall Kartenzahlung möglich sein und der Preis pro Ladevorgang und pro Kilowattstunde klar angegeben sein. Auch beim gewerblichen Verkehr soll es vorangehen: Ebenfalls alle 60 Kilometer sollen Busse und Lastwagen Strom tanken können. Geplant ist dabei eine Ladeleistung von 1400 Kilowatt im Jahr 2025. Im Jahr 2030 soll das auf 3500 Kilowatt steigen. Zugleich wird auch das Netzwerk für Wasserstoff ausgebaut. Alle 150 Kilometer soll künftig in der EU eine Möglichkeit bereitstehen, ein Brennstoffzellen-Fahrzeug zu tanken, ebenso in jeder größeren Stadt.

Für Ismail Ertug, der für die SPD im Verkehrsausschuss des Europäischen Parlaments sitzt, ist das ein beachtlicher Fortschritt: "Endlich dürfte es nach vielen Jahren der Diskussion zu verbindlichen Regeln kommen, um die Elektromobilität deutlich nach vorn zu bringen", sagt der Abgeordnete aus der Oberpfalz. Teile der Union hätten sich allerdings zuletzt noch gegen diese Neufassung gestellt, die Industrie und Umweltverbände in seltenem Einvernehmen überwiegend begrüßten. Insofern ist das Endergebnis noch unklar: Nach der Vorlage der Pläne wird sich der EU-Ministerrat damit befassen.

© SZ
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