Nach acht JahrenEU und Australien einigen sich auf Freihandelsabkommen

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EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen mit dem australischen Premierminister   Anthony Albanese in der Hauptstadt Canberra.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen mit dem australischen Premierminister
Anthony Albanese in der Hauptstadt Canberra. Lukas Coch/AAP/dpa

Inmitten Turbulenzen im Welthandel einigen sich die EU und Australien auf ein umfassendes Freihandelsabkommen. Auch die gebeutelte deutsche Autobranche soll davon profitieren.

Die Europäische Union und Australien haben sich nach acht Jahren Verhandlungen auf ein umfassendes Freihandelsabkommen geeinigt. Beide Seiten wollen damit ihre Beziehungen vertiefen und die regelbasierte Weltordnung stärken, die auch durch die Regierung von US-Präsident Donald Trump unter Druck geraten ist.

Der Abschluss der Verhandlungen wurde am Dienstag in Canberra von Premierminister Anthony Albanese und Ursula von der Leyen, der Präsidentin der Europäischen Kommission, bekannt gegeben. Laut einer gemeinsamen Erklärung muss das Abkommen nun von beiden Seiten ratifiziert werden.

Zusätzlich unterzeichneten die EU und Australien eine Sicherheits- und Verteidigungspartnerschaft, die eine bessere Zusammenarbeit bei Krisenbewältigung und Sicherheitsfragen ermöglichen soll.
„Diese Säulen der Zusammenarbeit erkennen den Wert einer starken Partnerschaft zwischen Australien und der Europäischen Union bei der Bewältigung globaler Herausforderungen, der Förderung von Wohlstand und Sicherheit an und erlauben eine vertiefte Zusammenarbeit zwischen Australien und der EU“, heißt es in der Mitteilung von Albanese und von der Leyen.

Australien und die EU versuchen, ihre Volkswirtschaften sowohl vor den Zöllen von US-Präsident Donald Trump als auch vor den chinesischen Beschränkungen für kritische Rohstoffe zu schützen. Die EU hat kürzlich Handelsabkommen mit Indien und dem südamerikanischen Mercosur-Block geschlossen und damit nach jahrelangen Verzögerungen in einigen Fällen neue Impulse für ihre Handelspolitik gesetzt.

Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) verzeichnete Australien im vergangenen Jahr ein Handelsdefizit von 33 Milliarden US-Dollar mit der EU: Es exportierte Waren im Wert von rund zwölf Milliarden US-Dollar und importierte Güter im Wert von mehr als 44 Milliarden. Deutschland liefert vor allem Autos, medizinische und pharmazeutische Produkte und Maschinen. Australiens wichtigste Exportgüter nach Deutschland sind landwirtschaftliche Erzeugnisse, Gold und andere Edelmetalle sowie Energieträger. Das Abkommen sieht die Abschaffung von mehr als 99 Prozent der Zölle auf EU-Warenausfuhren nach Australien vor, wodurch Unternehmen aller Größen nach Angaben aus Brüssel jährlich rund eine Milliarde Euro an Zöllen sparen sollen.

Die gebeutelte Autobranche macht sich nun große Hoffnungen

Die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie, Hildegard Müller, erklärte vorab, das Handelsabkommen werde für die europäische Automobilindustrie „erhebliche Chancen eröffnen“, vor allem auch für die exportorientierten deutschen Hersteller, die auf dem australischen Markt mit starker Konkurrenz aus China und Japan um Anteile ringen. „In Zeiten von zunehmendem Isolationismus und Protektionismus sendet das Abkommen ein kraftvolles Signal für fairen und regelbasierten Handel“, erklärte Müller. Zuletzt wurden nach VDA-Angaben jährlich gut 44 000 Autos aus Deutschland nach Australien exportiert – mehr als nach Portugal, aber weniger als nach Norwegen.

Die Verhandlungen über das Freihandelsabkommen laufen seit 2018. Ein fast fertiger Deal scheiterte 2023, weil Australien unzureichenden Marktzugang für seine Agrarprodukte in der EU kritisierte. Die Gespräche wurden im vergangenen Jahr wiederaufgenommen und erhielten neue Dringlichkeit, da die Trump-Regierung drohte, das globale Handelssystem aus den Angeln zu heben.

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