Geldanlage:So setzen Anleger auf die Wirtschaftsnationen von morgen

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Viele Investoren wollen mit aufstrebenden Schwellenländern ordentlich Rendite machen. Mit dem MSCI Emerging Markets geht das - doch Anleger sollten zwei Eigenheiten kennen.

Von Victor Gojdka, Frankfurt

Wer an der Börse in den Angriff übergehen will, wird Tiger sehr sympathisch finden. Blitzschnell können die eleganten Tiere laufen und dabei zu großen Sprüngen ansetzen. Kein Wunder, dass Marketingexperten Schwellenländern wie Taiwan, Südkorea und Singapur einmal das Label "Tiger-Staaten" verliehen. Wer will als Anleger nicht zu den rasanten Angreifern gehören und zum großen Sprung ansetzen?

Immer wieder stehen Schwellenländer daher hoch in der Gunst der Anleger: Indexanbieter haben gar eigene Aktienbarometer erfunden, die den Lauf der aufstrebenden Wirtschaftsnationen abbilden sollen. Das bekannteste ist zweifelsohne der MSCI Emerging Markets, auf Deutsch: MSCI Schwellenländer. In diesem Index versammeln sich rund 1400 Aktien aus 27 aufstrebenden Nationen. "Von Argentinien über China bis nach Polen sind Anleger dort bei vielen Ländern mit dabei", sagt Markus Thomas von der ETF-Ratingagentur Xenix.

Anleger sollten jedoch zwei Eigenheiten kennen: So haben asiatische Staaten im Index ein besonderes Gewicht. "Sie dominieren den Index mit mehr als 70 Prozent", sagt Finanzprofessor Hartmut Walz von der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen. Außerdem fehlen viele afrikanische Länder, weil der Indexanbieter MSCI sie oft nicht als Schwellenländer einsortiert - sondern bei den weniger fortgeschrittenen Entwicklungsländern. Wer auf den MSCI Emerging Markets setzt, lässt Länder wie Nigeria, Marokko oder Mali also außen vor.

Für ETF-Anleger kann der MSCI Emerging Markets vor allem Sinn ergeben, wenn sie ihr Portfolio besonders breit aufstellen wollen. Im beliebten Industrieländerindex MSCI World stehen Aktien aus den USA inzwischen schließlich für knapp 70 Prozent des Indexgewichts. "Wer zusätzlich auf den MSCI Emerging Markets setzt, kann die Übermacht der USA im Portfolio reduzieren", sagt Finanzprofessor Walz. Wer das will, könnte den Aktienbaustein seines Portfolios zum Beispiel nur zu 70 oder 80 Prozent mit dem Industrieländerindex MSCI World füllen - und zu 20 oder 30 Prozent auf den MSCI Emerging Markets setzen. Passende ETFs gibt es zum Beispiel vom Anbieter State Street (ISIN IE00B469F816) oder Amundi (ISIN LU1681045370).

Anleger sollten sich jedoch im Klaren sein, dass Schwellenländer nicht per se Renditebringer sind. Rechnungen zeigen: Wer von 1960 bis 2020 in Schwellenländer investierte, hätte damit mehr Rendite eingefahren als mit Industrieländern. Auf langfristige Sicht von 1900 bis 2020, lagen aber die entwickelten Nationen vorn. Am Ende sollten Anleger mit einem Schwellenländer-Investment also nicht primär Tigern hinterherlaufen - sondern ihr Portfolio breiter aufstellen.

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