Geldanlage:Dieser Index soll besser sein als der MSCI World

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Er ist der eigentliche Welt-Index: Der MSCI All Country World umfasst fast doppelt so viele Unternehmen aus deutlich mehr Ländern. Ein Risiko gehen Anleger mit ihm trotzdem ein.

Von Harald Freiberger

Die ganze Welt im eigenen Depot zu haben - das ist das Ziel, das viele Privatanleger verfolgen, und es ist das Versprechen, das die Finanzbranche mit zunehmendem Erfolg gibt. Der bekannteste Indexanbieter MSCI hat für sein bekanntestes Produkt den Begriff "Welt" gleich in den Namen übernommen. Der "MSCI World Index" vereinigt 1555 große Unternehmen aus 23 Industriestaaten auf sich. Manchmal wird er schon "Welt-Aktienindex" genannt, als stünde er für die gesamte Gattung, so wie "Tempo" als Synonym für "Papiertaschentuch" verwendet wird.

Dabei ist der "MSCI World Index", anders als der Name andeutet, gar kein Abbild der gesamten Welt. Denn er repräsentiert nur die Industriestaaten. In den vergangenen Jahrzehnten aber haben Schwellenländer wie China, Indien, Russland oder Brasilien gewaltige ökonomische Fortschritte gemacht.

Es gibt einen Index, der diese Schwellenländer mit berücksichtigt. Er heißt "MSCI All Country World Index" (ACWI) und umfasst 2976 Unternehmen aus 23 Industrie- und 27 Schwellenländern, also fast doppelt so viele wie der "MSCI World Index". Eigentlich würde demnach die Bezeichnung "Welt-Aktienindex" eher auf den ACWI zutreffen.

"Mit dem MSCI ACWI ist ein Anleger breiter diversifiziert als mit dem einfachen Welt-Index, das ist ein Vorteil", sagt Ali Masarwah von der Fonds-Plattform Envestor. Auf die Schwellenländer entfällt ein Anteil von ungefähr zehn Prozent. Dadurch sinkt der Anteil US-amerikanischer Unternehmen im Vergleich zum "MSCI World Index" von rund 70 auf etwa 60 Prozent.

Durch den immer noch hohen Anteil von US-Aktien ist der Index sehr Dollar-lastig, andere Währungen sind darin nur in niedrigen Dosen repräsentiert. Das bedeutet, dass Anleger damit kurzfristig ein relativ hohes Währungsrisiko eingehen. Auf lange Sicht gleichen sich Währungsrisiken aber meist aus. Ein anderer kritischer Punkt ist das starke Gewicht Chinas im Vergleich zu anderen Schwellenländern. "Nicht jeder Investor ist damit unter dem Gesichtspunkt von Nachhaltigkeit und guter Unternehmensführung glücklich", sagt Masarwah.

Und schließlich haben US-Technologieaktien wie Apple, Microsoft, Amazon, die Google-Mutter Alphabet und Tesla im MSCI ACWI das mit Abstand stärkste Gewicht. "Wer in ihn investiert, geht damit eine Wette ein, dass es an der Börse so weiterläuft wie in den vergangenen zehn Jahren", sagt Masarwah. Wem das zu einseitig ist, der sei mit einem zweiten ETF, zum Beispiel auf einen europäischen Aktienindex, gut beraten. Denn das Etikett "Welt-Aktienindex" könne Anleger auch in die Irre führen. Ein Index wie der MSCI ACWI könne zwar ein gutes Grund-Investment für Einsteiger sein, fortgeschrittene Anleger sollten aber genau schauen, ob er für die eigenen Bedürfnisse passt.

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