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Erster Bankkredit seit Jahren:Goldman Sachs beendet Ächtung Argentiniens

Mehr als ein Jahrzehnt lang wollten Banken Argentinien keinen Kredit geben. Um an ihr Geld zu kommen pfändeten Gläubiger des einstigen Pleitestaates gar ein Marineschiff. Jetzt hofft das Land auf eine Milliarde Dollar von Goldman Sachs - die Bank verlangt dafür ordentlich Zinsen.

Argentinien kann einem Zeitungsbericht zufolge erstmals seit Jahren auf einen Milliardenkredit ausländischer Geldgeber hoffen. Das Land stehe kurz vor einer Vereinbarung mit der US-Bank Goldman Sachs über ein Darlehen von rund einer Milliarde Dollar, berichtete die Zeitung Pagina/12, bekannt für ihre guten Kontakte zur linken Regierung. Das Land ist vom privaten Kapitalmarkt abgeschnitten und auf der Suche nach Geld, um seine Devisenreserven aufzufüllen.

Zudem laufen der Nachrichtenagentur Reuters zufolge Gespräche über weitere, ähnliche Kredite. Bei dem Geschäft mit Goldman Sachs solle Argentinien einen Zinssatz von 6,5 Prozent zahlen. Es wäre der erste private Kredit, den das südamerikanische Land seit mehr als einem Jahrzehnt aufnimmt.

Im Jahr 2002 ging Argentinien pleite. Mit der folgenden Umschuldung waren nicht alle privaten Geldgeber zufrieden. Nach wie vor liegt das Land mit mehreren Gläubigern im Rechtsstreit, der Hedgefonds NML Capital ließ 2012 gar ein Schiff der argentinischen Marine vor der Küste Ghanas pfänden. Die linksgerichtete Regierung von Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner wehrte sich gegen die agressive Strategie der teils amerikansichen Gläubiger, bezeichnete das Vorgehen als "juristischen Kolonialismus". Der hitzige Streit, der auch vor diversen Gerichten ausgefochten wurde, schreckte Investoren davon ab, dem Land Geld zu leihen.

Das Land hat seit der Pleite sein Haushaltsdefizit finanziert, indem es Geld druckt - und den Peso in die Inflation treibt. Die liegt derzeit nach offiziellen Angaben bei mehr als zehn Prozent, viele Beobachter gehen von einer deutlich höheren Rate aus. Der Kredit von Goldman Sachs soll jetzt helfen, eine weitere Abwertung der Landeswährung Peso zu verhindern.

Die Devisenreserven sind der Agentur Moody's zufolge seit 2011 um knapp die Hälfte auf zuletzt noch 27,5 Milliarden Dollar gesunken. Das weckt Zweifel daran, ob Argentinien seine Schulden an ausländische Gläubiger zurückzahlen kann, zu denen auch Deutschland gehört. Moody's hatte Argentiniens Kreditwürdigkeit deswegen jüngst auf die drittschlechteste Note herabgestuft.

Der Pariser Club - eine informelle Gruppe staatlicher Gläubiger - hat Argentinien Anfang März zu Verhandlungen über noch ausstehende Auslandsschulden von knapp zehn Milliarden Dollar eingeladen. Diese sollen am 26. Mai beginnen.

© Süddeutsche.de/Reuters/mahu/jab/luk

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